Tagebuch

3.5.2020 - Fachfrau Alpenbeef

Um noch einmal ganz kurz auf die Zeit zurückzukommen. Die ist mir schneller abhanden gekommen, als mir lieb ist. Aber ich glaube dieses Gefühl habe ich immer im April. Im März, gleich nach der Wintersaison, fallen so viele tägliche Arbeiten weg, dass man richtig durchatmen kann. Im April zieht es dann wieder an, spätestens wenn unsere Fleischlieferung vor der Tür steht. Schon lange wollte ich Marco einmal bei einer seiner Auslieferungstouren begleiten. Mal wissen, was ich ihm fünf bis sechs Mal im Jahr so aufbrumme. Er war einer Begleitung nicht abgeneigt, im Gegenteil; als wir morgens um fünf los fuhren, meinte er; "wecksch mi, wenn mier wieder dehei sind!?" Wir kamen zügig voran, schon vormittags um zehn, hatten wir eine Stunde Vorsprung auf meinen Plan. Kein Wunder, es hatte kaum Verkehr und alle unsere Kunden waren zu Hause, hielten eine Kiste vor der Haustüre bereit und die Gespräche wurden bei 2m Abstand eher kurz gehalten. Es machte auch nichts, dass ich mich zwei Mal hoffnungslos in der Spur vertan habe und einmal promt aus Versehen durch den Gubrist fuhr. Unser TomTom liess sich aber nicht aus der Ruhe bringen und lotse mich stets mit eine Alternative ans Ziel. In der Stadt Zürich prophezeite mir Marco immer wieder; Ou, dort findest du nie einen Parkplatz! Denkste, ich fand fast immer einen direkt vor den Haustüren. Das war ein Fleischverteilen unter erleichterten Bedingungen. Zu zweit kann man den ganzen Weg ein wenig Plaudern, so wird man beim Fahren nicht müde und ich fuhr direkt nach Hause. Romy hat nicht schlecht gestaunt als wir schon um sechs zu Hause waren. 

Eine Woche später habe ich auch noch das Zepter beim Fleisch verpacken übernommen. Auch das will schliesslich gelernt sein. Das von Romy jahrelang entwickelte System ist wasserdicht und da es dieses Mal nur einen Ochsen zu verpacken gab, traute ich mir das zu.  Zusammen mit unserer guten Seele Helen machte ich mich ans Werk. Helen arbeitet seit Februar bei uns und ist uns mit ihrer humorvollen und anpackender Art ans Herz gewachsen. Sie packt nicht nur an, sie denkt auch mit. So hat sie mich ein oder zwei Mal gerettet.  Am Schluss hatten alle Kunden ihre bestellen Fleischpakete und ich die Weiterbildung zur Fachfrau Alpenbeef erfolgreich abgeschlossen. 

11.4.2020 - alles zu seiner Zeit

Was habe ich mir in den vergangenen Jahren Zeit gewünscht. Einen Wunsch den ich für unerfüllbar hielt. Wer kann einem schon Zeit schenken? Ich erinnere mich, im Kinderbuch Momo gab es die grauen Herren, die haben die Zeit gestohlen. Aber Zeit schenken hielt ich für unmöglich. Und nun ist es doch passiert. Dieser kleine Virus hat es nun geschafft. Skifahren, Sitzungen, Ferien, Tag der offenen Tür, Besuche - alles abgesagt. Und alldem habe ich auch nicht lange nachgeweint. Mein Gewinn einen Haufen voll Zeit. Nun rolle ich die ToDo Liste von hinten auf. Dinge die schon so lange getan werden müssten, aber eben immer zu hinterst auf der Liste standen. Zum Beispiel Schlafzimmer putzen! Ihr denkt sicher; echt jetzt? Hat sie nichts besseres mit ihrer Zeit anzufangen. Aber ich sage euch, es hat sich sooo gut angefühlt, das endlich zu erledigen. Ich ging dann am Tag mehrmals wieder ins Zimmer, um das vollbrachte Werk anzuschauen. Inzwischen habe ich auch schon fleissig Gemüse angesät. Randen, Capuns, Zucchetti und Kürbisse! einem guten Gartensommer steht fast nichts mehr im Wege. Ich bin nicht zu spät dran! Auch die Winterkleider habe ich zu einem grossen Teil schon gewaschen und weggeräumt, normalerweise erledige ich das erst im Juli! Und natürlich nehme ich mir jetzt auch die Zeit um ein Buch zu lesen, den Vögeln beim Pfeifen, Singen und Schimpfen zuzuhören, oder der Natur zuzuschauen, wie sie sich aus dem Winterschlaf schält. Die Knospen des Kastanienbaums öffnen sich, der Rasen wird grün und was spriesst da im Garten? 

11.4.2020 - ein neuer Freund

Ich habe einen neuen Freund. Zugegeben bei unserer ersten Begegnung war es noch nicht Liebe auf den ersten Blick, jedenfalls nicht seinerseits, er hat mich nämlich aufs Übelste beschimpft. Der Grund kenne ich bis heute nicht. Mir hat das Herz aber sofort höher geschlagen. Nichts ahnend habe ich abends kurz vor dem Eindunkeln den Kompost geleert, da sind wir uns das erste Mal begegnet. Er hat mich zuerst gesehen und ich ihn zuerst gehört - Freund Rotkehlchen. Da sass er auf dem Baum nicht weit von mir und zeterte was das Zeug hielt. Auch anderntags kam er wieder vorbei und schaute mir zu, wie ich versucht habe mein Steingärtli zu retten, welches Riet zwar gut gemeint aber nicht gut gemacht umgebaggert hat, aber das ist eine andere Geschichte. Als ich kurz ins Haus rannte um den Fotoapparat zu holen, nutzte er die Gunst der Stunde und holte sich ein Krabbeltier aus dem Garten, welches ich zuvor ausgegraben hatte. Nun schien er auch mit mir Freundschaft geschlossen zu haben, liess sich brav ablichten und sang mir an diesem Abend ein wunderschönes Lied vor. Nur zwei drei Meter von mir entfernt auf dem untersten Ast ein Lied nur für mich. 

29.2.2020 - Wir sind umgezogen

Endlich durfte auch Romy ihr neues Reich beziehen.  Vergangene Woche durfte sie den neuen Verarbeitungsraum in Betrieb nehmen. Die Baustelle ist zwar noch nah, der Sanitär schliesst noch die Spülmaschine an und der Elektriker die letzten Steckdosen und Lichtschalter und neben an werkeln die Gipser im Evenrtaum.

5.2.2020 - wir haben es geschafft

Es ist vollbracht! Die neuen Wohnungen sind bezugsbereit und wurden teilweise bereits das erste Mal vermietet. Es ist zwar noch nicht jedes Detail ist an seinem Ort. Die Nachttischlampen und die Couchtische haben es noch nicht rechtzeitig geschafft. Aber alles notwendige für einen schönen Ferienaufenthalt ist vorhanden. Wir freuen uns in Zukunft viele Gäste begrüssen zu dürfen. 

4.1.2020 der Countdown läuft

Zuerst ein kurzer Rückblick: Im Dezember durften wir einen Haufen Geschenkkörbe für verschiedene Firmen zusammenstellen. Zum Glück hatte ich Unterstützung durch meine Schwägerin Selina, ab und zu wusste ich nicht mehr wo mir der Kopf steht, vor lauter Geschenkbändeli.

Währenddem sich die Bauarbeiter dann langsam alle in die Ferien zurück zogen, ging es für uns los mit der Hauptsaison. Zugegeben ich hatte einige Anlaufschwierigkeiten den Würstli-Drive-in vor dem Haus in Betrieb zu nehmen, doch ab dem 26. Dezember ging es dann richtig los, so dass ich automatisch in Schwung kam. Des einen Freud ist des anderen Leid. Während das Unterland entweder von warmen Temperaturen oder von einer Nebelsuppe geprägt wurde. herrschten bei uns geradezu traumhafte Wintersportverhältnisse. Zugegeben es hat nur wenig und eher knapp Schnee, doch hat es gerade so gereicht um alle Anlagen in Betrieb zu nehmen. Über die Festtage hat es zweimal etwas geschneit, einfach so zur Kosmetik, damits schön aussieht. Dementsprechend gut lief unser Geschäft, die Leute kamen in Scharen. 

Und schon ist es Januar. Jetzt gilt der Countdown. Noch gut 20 Tage und die ersten Gäste werden die Ferienwohnungen beziehen.

Vor Weihnachten ging es richtig rund auf der Baustelle. Es wurde verputzt, gestrichen und verlegt was das Zeug hält. Jetzt machen die Wohnungen schon richtig was her und es hat Spass gemacht, den Gästen, den Verwandten oder einfach dem einen oder anderen Neugierigen die Wohnungen zu zeigen. Jetzt kommt noch der Feinschliff; alle Geräte müssen eingebaut werden, die Fussbodenleisten fehlen noch, die Vorhänge und natürlich die Möbel. Für mich gilt es jetzt einen richtigen Schlachtplan zu erstellen, jetzt liegt es sozusagen an mir. Drückt mir die Daumen!

 

7.11.2019 - Kürbiszeit

Den Kürbis haben wir eigentlich schon anfangs Oktober geerntet und eingekellert. Wir hätten ihn aber gut und gerne noch eine ganze Weile auf dem Feld liegen lassen können. Bis gestern Nacht war es nämlich immer noch verhältnismässig mild. Es gab zwar einige wenige Bodenfroste, aber so richtig eisig wurde es erst letzte Nacht. Weil wir in diesem Jahr keine besonders erfolgreichen Gärtner waren, wollte ich unser Glück nicht zusätzlich aufs Spiel setzen und ging im Oktober auf Nummer sicher. Et voilà jetzt geniessen wir unseren Kürbis. In Diesem Jahr habe ich vorallem Hokkaidos. Sie sind mit ihren 1-4kg nicht nur sehr handlich und lassen sich somit innert nützlicher Frist verarbeiten, sie schmecken auch wirklich gut und das Beste daran: Man braucht sie nicht zu schälen! Diese Woche gab es also Kürbisspätzli, das überzeugt alle Kürbisskeptiker im Nu! Natürlich Kürbissuppe und eingemachten Kürbis. Dieser schmeckt dann vorallem zum Raclette vorzüglich. Einfach mal etwas anderes als immer Cornichons und Silberzwiebeli. 

23.10.2019 - Oh du goldiger Herbst

Der Sommer ist zu Ende die Tage sind kürzer geworden und ich stelle mich auf graue düstere Tage ein. Und jedes Jahr werde ich von Neuem von der unglaublichen herbstlichen Pracht überrascht. Die Lärchen erstrahlen im goldigen Gewand und bilden mit dem stahlblauen Himmel einen faszinierenden Kontrast. 

Momentan sind wir gerade sehr froh um alle Schönheiten die die Welt zu bieten hat. Unser Alltag ist geprägt von viel viel viel Arbeit. Neben dem alltäglichen Arbeiten im Stall und im Haushalt, fallen auf der Baustelle fast täglich neue Arbeiten an. Romy und Riet waren letzte Woche auch das erste Mal beim Wursten, diese sind nun entweder in der Presse oder hängen bereits im Maiensäss zum Trocknen. Dies ist auch dringend nötig, denn unsere Vorräte sind leer wie schon lange nicht mehr. Ich vertreibe mir die Zeit mit Einmachen, letzte Woche habe ich 120 Gläser Quittenkonfi hergestellt und der Kürbis wartet nur darauf in die Gläser zu wandern. Dann sind wir auch noch in die Fleischsaison gestartet. Heute wurde die erste Alpenbeef Lieferung verpackt und wird morgen von Marco ausgeliefert.

25.9.2019 - die ersten Kälbchen & das letzte Emd

Vor zwei Wochen als der Schnee uns das erste Mal erreichte, brachte er auch zwei Kälbchen mit. Das eine ist im warmen Stall geboren, das andere etwas überraschend auf der Weide. In diesem Jahr werden alle Kälbchen mit dem Buchstaben O getauft, so sind es Olga und Otto geworden. Otto hat einen weissen Fleck auf der Stirn und ist etwas zurückhaltender als die wilde Olga. Mit der kann man, jetzt wo der Stall noch fast leer ist, prima fangen spielen. Am letzten Samstag, an Tante Rita Bina's 70. Geburtstag, kam dann noch Orma hinzu. Rita Bina durfte selbstverständlich als Taufpatin fungieren, Orma ist romanisch und bedeutet Seele.

Letzte Woche aber wirklich auf den letzten Drücker hat Riet auch noch das letzte Emd eingebracht.  Das war eine ziemlich zähe Angelegenheit. Obwohl das Wetter schön und warm war, wollte das Emd nicht recht trocknen. Die Tage sind schon kurz und bereits um 5 Uhr verschwindet die Sonne hinter dem Piz Ela, dann wird es schnell kühl und vorallem feucht. Aber jetzt können wir endlich einen dicken Hacken setzen und uns ab dem vollen Heustock freuen.

10.9.2019 - Endlich!

Endlich ist sie da unsere neue Website! Wir freuen uns sehr darüber und bedanken uns bei Christian von go2media für die tolle Arbeit! Wir hoffen euch gefällt es auch und ihr findet euch zurecht. Wenn ihr noch Anregungen und Ideen habt, sind wir über Rückmeldungen immer sehr dankbar. Viel Vergnügen beim Stöbern....

 

09.09.2019 Schwalben und Schnee

Die Schwalben wussten es. Dass der Winter naht. Sie haben sich am Mittwoch, an diesem herrlichen Tag, bei uns auf dem Baukran getroffen. Sie haben sich herausgeputzt, ein paar Proberunden gedreht, und plötzlich am Nachmittag waren sie weg. Ab in den Süden. Die hatten Recht, am Sonntag hat es nämlich tatsächlich geschneit, und nicht nur ein wenig, sondern richtig lange richtig grosse Flocken. Und was bringt so ein Wetterwechsel auch noch mit? Genau - Kinder und Kälber, bei uns waren es Kälber! Und zwar gerade zwei, eins im warmen Stall und das eine auf der Weide.

19.8.2019 Hochzeitsapero

Am Wochenende durften wir einen Hochzeitsapero im Dorf für gut hundert Personen ausrichten. Für uns war es der erste dieser Art. Hochzeiten unterscheiden sich ja schon von anderen Aperos, da darf es ruhig ein bis:schen üppiger sein. Obwohl ich schon ziemlich geübt bin, in der Mengenberechnung, war ich etwas nervös, zumal der Apero knapp dreieinhalb Stunden dauerte. Glücklicherweise waren wir erst einige Wochen zuvor zu einem Hochzeit eingeladen, so konnten wir noch einige gute Ideen sammeln. Weil ich gleichentags auch noch einen Ferienwohnungwechsel über die Bühne bringen musste, habe ich mir wieder einmal Hilfe organisiert. Meine Mutter, eine zuverlässige Helferin hatte kurzerhand noch ihre Schwester im Schlepptau. Früher gingen sie auf Städtereisen, heute kommen sie zum Event-Arbeiten nach Bergün! :) Auch Riets Schwester gehört zum zuverlässigen Helferkreis, da konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Romy und ich fühlten uns zwischenzeitlich sogar ein bisschen überflüssig, derart fleissig wuselten die Helferlein durch die Gegend. Nach drei Stunden war das meiste verputzt und alle rund um zufrieden. Jetzt sind wir für weitere Hochzeiten gewappnet, wer hat noch nicht? Wer will noch?

19.8.2019 Blaudistelernte

Und schon ist die Blaudistelernte wieder vorbei. Wir haben uns im letzten Jahr dazu entschieden, nicht mehr weiter in unser Blaudistelfeld in Preda zu investieren. Das heisst wir binden die Pflanzen nicht mehr einzeln auf und pflanzen auch keine neuen Stöcke mehr. Wir ernten einfach noch, was da Feld uns her gibt. In diesem Jahr waren das wunderschöne Blumen, zwar ein bisschen kürzer als sonst und häufig nur mit einer Blüte, dafür aber in einem wunderschönen Blau. Weil wir die Blumen auch nicht mehr an den Grossverteiler liefern, müssen wir bei der Ernte auch keine Qualitätsmerkmale mehr beachten, wir schneiden alles was uns gefällt, binden es zu Sträussen und verkaufen es vor dem Haus. Mit dem Ertrag gehen wir dann einmal hübsch auswärts essen. So macht die Arbeit plötzlich wieder viel mehr Spass.

Blaudistel mit Schmettling

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