biobergün.ch, Bergün/Bravuogn

Projekt Bahnwagen

Unser Lädeli fällt langsam auseinander. Eigentlich war es nur als einfaches Gartenhäuschen gezimmert. Kaum aufgestellt erforderte es schon die ersten Verstärkungen. Durch den zweimal jährlichen Transport vom Gregorihaus zu Schmidthaus und im Frühling wieder zurück hat unser Häuschen arg gelitten. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es auseinander fallen würde. Trotzdem hat es länger gehalten als wir zuerst dachten – braves Häuschen!
Auf unseren nachmittäglichen Wanderungen suchten Silvia und ich oft nach einer Blitzidee. Wie sollte unser neuer Direktvermarktungsstand aussehen. Wer auf die Idee einen Bahnwagen aufzustellen kam weiss ich heute nicht mehr. Aber der Gedanken lies uns nicht mehr los. Das wäre es doch... wir springen auf den touristischen Zug von Bergün und stellen ins Bahndorf Bergün einen Bahnwagen als Direktvermarktungslädeli –genial!


ausrangierter Fahrradwagen
ausrangierter Fahrradwagen

Wir machten uns auf die Suche. Immer wieder hatten wir die Hoffnung „jetzt haben wir ihn“ dann kam wieder die Enttäuschung. Die schönen alten RHB-Züge waren nicht zu haben. Die Neueren waren zu gross und gefielen uns nicht. Und dann der Lichtblick…Hurra! Die RHB hat es tatsächlich geschafft, sie konnten für uns einen Bahnwagen organisieren. Zwar ein Ausländer, aber wer kümmert sich schon um solche Peanuts. Ein ausrangierter Velowagen von der Appenzellerschmalspurbahn. Hipp, hipp Hurra!!! Grandios bombastisch, einfach supermega…!
Die Wartezeit bis zum endgültigen OK von der Gemeinde war zäh und mit vielen Formulare gespickt. Armon musste uns sogar einen genauen Situationsplan zeichnen. Aber jetzt ist es soweit. Am 02.07.2012 kam Domeni mit dem Bagger…

Es ist unglaublich wieviele Interessen wir geweckt haben. Das Abenteuer Bahnwagen war für uns selber ein wahnsinns Projekt, und als der Bahnwagen dann endlich in unserm Garten stand war dies ein heroisches Gefühl - "unser Bahnwagen"!
Aber niemals hätten wir mit soviel Begeisterung von den Menschen aus Nah und Fern gerechnet. Kaum stand der Bahnwagen flatterte schon das erste E-Mail ins Haus.
Herr Willen schrieb:
"Super Genial der Bahnwagen! Kam soeben ein Mail mit Foto von einem Wanderer über! Als Eisenbahnfreak und Lokführer bei der RhB hatte ich meine Sporen bei der Appenzellerbahnen abverdient. Diesen Wagen hatte ich viel am Hacken!"
Sogar genauste Informationen über den Wertegangs von unserm Wagen wurde per E-Mail geschickt. Herr Sutter schrieb:
"Über eine Eisenbahn-Freunde Homepage habe ich erfahren, dass Sie nun der stolze Besitzer des D161 der AB sind. Es handelt sich dabei keineswegs um einen Ausländer wie Sie schreiben, denn der Wagen dürfte nach meinen Kenntnissen seinerzeit in der VSB (Vereinigte Schweizer Bahn) in Chur gebaut worden sein, womit er eigentlich back to the root kam. Der Wagen wurde anfangs der sechziger Jahre, als ich noch ein Primarschüler war, vom drei-achsigen Holzkastenwagen zum jetzigen Zustand umgebaut. Damit war er neben seinem Bruder 162 der "modernste" Gepäckwagen der damaligen St. Gallen - Gais - Appenzell - Altstätten Bahn. Diese Bahn war der Arbeitgeber meines Vaters und ab 1962 auch teilweise meiner Mutter, die zu Hause an der Haustüre Billette verkaufte. Es liegt wohl fast nahe, dass ich später auch Bähnler (auch ein Bruder) wurde."

Wir wissen, dass unser Bahnwagen 1908 gebaut wurde. Jetzt kennen wir auch noch seinen Wertegang. Super! Unser Stolz auf ihn wächst laufend und irgendwie ist es doch schön, dass er statt auf dem Schrottplatz bei uns im Garten gelandet ist.