biobergün.ch, Bergün/Bravuogn

Blaudisteln oder Start in die freie Marktwirtschaft

Die Blaudisteln waren unser erster Start in die freie Marktwirtschaft. Deshalb haben wir die Blaudisteln auch für unser Logo gewählt.
In der freien Marktwirtschaft wehte (und weht noch immer) ein rauher Wind. Ein auf und ab, schlimmer als auf einer Achterbahn. Wir könnten hier viele Geschichten erzählen. Wenn es sie interessiert - ein paar Anektoden zum Schluss...




  Die Bienen lieben unsere Blaudisteln auch   

Heute verkaufen wir unsere Blaudisteln fast alle über Coop. Wir liefern sie an Herrn Zimmermann in Horw. Er ist Gärtner und bindet die Blaudisteln mit Sonnenblumen zu Sträusse. So landen sie dann im Sommer in allen Coop Filialen.

» Bioblumen Zimmermann

Frühmorgens oder spät am Abend werden sie geschnitten  Um 10.00 Uhr werden die Schachteln abgeholt  Blaudistelnfeld in Preda, im Hintergrund Naz 

Einige verkaufen wir direkt hier bei uns ab Hof. Es ist etwas schwierig weil wir ja meistens auf der Wiese am Heuen sind.

Was wir nicht verkaufen können, trocknen wir. Aber nur die Köpfe. Im Herbst schicken wir sie ins Wallis. Dort werden sie extrahiert. Daraus entsteht dann Männerkosmetik.

Sie werden auf dem Tenn verteilt und immer wieder mit einer Schaufel gewendet, bis sie trocken sind  Nicht immer bleiben sie schön blau. Manchmal verlieren sie ihre Farbe. Zum extrahieren ist das aber egal. 

Viele Kunden lieben die Blaudisteln weil sie sich so gut trocknen lassen. Kombiniert mit gelben Schafgarben sind sie wunderschön und machen dunkle Ecken in der Wohnung freundlich.
Beachten sie, dass sich die Blumen beim Trocknen schliessen - wie ein Pinsel sieht sie dann aus. Um dies zu verhindern kann man Papier (zum Beispiel gewöhnliches WC-Papier) um den Stempel wickeln und dann im Keller oder an einem dunklen Ort aufhängen und trocknen lassen.

kleines, feines Papier um den Stempel wickeln   

Kleine Lebensgeschichten:
Angefangen haben wir mit der Migro. Die Migro wollte in Sache Blaudisteln mit der grossen Kelle anrühren. Was die Migro nicht einkalkuliert hatte: Die fleissigen Hände der Landwirte. In Rekortzeit entstanden in allen Winkeln von Graubünden Blaudistelnfelder. In der Blütensaison wurde die Migro regelrecht unter einem Berg Blaudisteln vergraben. Statt ihren Irrtum zuzugeben und mit ehrlichen Karten zu spielen, bezahlte sie einfach ganze Lieferungen nicht mit dem Vermerk: Lieferung war schlecht, Blaudisteln mussten weggeworfen werden. Nach Ablauf des Vertrages hatten wir so natürlich keine Interesse mehr ihn zu erneuern - die Migro auch nicht.

Wir gingen an die Blumenbörse. Viktor Cloetta war unser Hauptkunde. Viktörli (wie wir ihn alle nannten) war ein Verkaufsgenie. Er konnte alles verkaufen was er wollte. Er baute ein Geschäft auf, wenn es dann richtig gut lief, wurde es ihm langweilig und verkaufte es wieder. Zum Schluss landete er an der Blumenbörse und kam nach Bergün um uns zu zeigen, wie man Blaudisteln richtig und "artgerecht" packt. Ich sehe ihn jetzt noch vor mir. Klein, kugelrund mit fröhlich blitzenden Augen. Stiel um Stiel packte er in die Holländerkiste. Nach zweihundert Stielen dachten wir die Kiste platze aus allen Nähten. Aber Viktörli legte noch einmal hundert dazu, stülpte den Deckel darüber und setzte sich rittlings auf die Kiste. Dann hopste er darauf herum und drückte und ächzte bis sich der Deckel schliessen liess.

Leider starb Viktörli nach ein paar Jahren und wir suchten uns einen neuen Geschäftspartner. Ein junger dynamischer Mann stellt sich im Herbst vor. Er machte einen sehr guten Eindruck und wir sahen zuversichtlich ins neue Jahr. Als er sich im Frühling nicht mehr meldete, forschten wir nach. Tragischer Weise hat sich der Mann, im Laufe des Winters, das Leben genommen. In einem einsamen Waldstück hat er sich erhängt.

Unser nächster Partner wollte mit den Blaudisteln den amerikanischen Markt erobern. Ein paar tausend Stiele flogen so übers Meer. In Amerika herrscht eine andere Wirtschaftspolitik als in der Schweiz. Dort ist der "siebesiech" der, der den anderen am geschicktesten übers Ohr haut. Wenn man keinen Vertrauensmann vor Ort hat, hat man keine Chance. Der Grossist hat uns die Blumen bezahlt, aber er selber sah vermutlich keinen Rappen - dafür war er um eine Lebensweisheit reicher.