Alpgenossenschaft Bergün Latsch und Stuls
Im Frühling werden die Tiere im Stall unruhig. Sie spüren instinktiv dass es bald soweit ist. Wenn wir ihnen die Glocken um den Hals binden, sind sie nicht mehr zu halten.
Früher hatten wir immer zwei bis drei Kühe zu Hause. Meistens solche die spät gekalbt haben, oder alt und nicht mehr so gut zu Fuss waren. Ab und zu kam es dann vor, dass sie ausrissen und wir sie auf der Alp holen mussten. Heute lassen wir alle Kühe auf die Alp. Es vereinfacht unsere Arbeit im Sommer zu Hause.
Die Alp gehört der Gemeinde Bergün. Wir Landwirte bezahlen Weidetaxen. Alles rund um die Alp organisieren wir selber, Alpauf- und Abfahrt, anstellen von Alppersonal, was die Alphütten angehen etc. Weiter müssen wir die Alp im Frühling auch räumen (Rodas - wie wir sagen). Je nach Anzahl Tier werden die Arbeitstage aufgeschlüsselt. Unsere Familie muss so meistens 10 bis 12 Tage arbeiten.
Rodas sind immer sehr streng. Die Weiden die von Lawinen, im Winter, mit Schutt, Geröll und Holz eingedeckt wurden, müssen geräumt werden. Auch eingewachsenen Weiden müssen wir roden. Es ist ein ewiger Kampf mit der Natur. Egal ob wir Steine räumen oder Bäume fällen, ausasten und verbrennen, am Abend spürt man jeden Knochen und riecht wie ein Würstchen.
Die Kälber und Rinder ziehen auf die Alp Mulix dann weiter auf Fallo. Die Mesen an den Palpuognasee und später auf Darlux. Die Kühe nach Alp Tesch und später auf die Alp dil chant dann weiter auf Alp Plazbi
Unsere Alpkäserei steht auf der Alp dil Chant. Egal ob die Kühe auf der Alp Tesch oder auf Plazbi sind. Die ganze Milch landet hier in der Käserei.
Auch Milchprodukte wie Alp-Butter und Alp-Jogurt sind sehr beliebt. Meinstens kommen die Sennen kaum nach mit produzieren. Die Schotte wird den Alpschweinen verfüttert.
- Zuerst kommt der Käse in die Form. - Dann ins Salszbad - zum Schluss in den Käsekeller wo er täglich gepflegt wird. Zwei- bis dreimal holen wir, im Laufe des Sommers, Käse nach Hause, damit es wieder Platz gibt im Käsekeller der Alp
Ende Alp kommen dann alle Kühe hübsch geschmückt wieder nach Hause.
Ein kleines Fest wird gefeiert, Es gibt Sandwiches, Kuchen, Kaffee und Wein. Zum Abschluss sitzen alle zusammen. Landwirte, Bäuerinnen, Hirten, Sennen und Gäste. Es wird über den Alpsommer diskutiert und erzählt.
So klingt der letzte Alptag aus. Ein paar Tage später treffen sich alle noch einmal im "Weissen Kreuz" um den gelungenen Alpsommer zu feiern. Käse wird degustiert, versteigert und Musik spielt zum Tanz auf.

