biobergün.ch, Bergün/Bravuogn

Tagebuch - Highlights aus Bergün

26.09.2010

Wochenende der schönen Klänge. Drei Tage lang haben wir gefestet und die neuen Uniformen eingeweiht. Es war ein tolles Fest aber anstrengend. Die Nächte waren wirklich sehr kurz, jetzt fängt die Müdigkeit an zu krallen. Ich schreibe ausführlich in unserer Regionalzeitung "Pöschtli" über das Fest. Ab Freitag kann man es dann nachlesen unter "Romy's Ecke"
Aber jetzt verschwinde ich in meine Sofaecke - gähn!!!

Einmarsch in Bergün. Die Musikgesellschaft Bergün holt ihre Kollegen vom Bahnhof ab  Selina und Petra präsentieren...!!!  ...die neue Uniform! 

21.09.2010

Der Alpabzug war toll - besonders weil das Wetter mitspielte. Alle sassen auf Bänken, auf der Wiese oder auf dem asphaltierten Vorplatz und genossen die Wärme der Sonne. Ein Prachtstag. Den Kühen gefiel es auch, ganz stolz gingen sie mit ihrem schönen Kopfschmuck durchs Dorf. Am Abend zuvor haben wir bis um Mitternacht gekranzt und gebunden. Die Geschickten haben Kränzchen gebunden. Die weniger Geschickten banden Blumensträusse und nagelten sie dann auf ein Brett. Die Bretter bekamen die Kühe aber erst kurz vor dem Dorf auf den Kopf gebunden, sonst wären sie nur noch mit dem leeren Brett durchs Dorf marschiert. Ein ganz besonders schönes Stück war der Bauchkranz, den bekam die beste Kuh um den Bauch geschnürt. Die Älplerinnen Barara und Sereina hatten fast den ganzen Abend für das Kunstwerk. Sogar der Hirtenhund bekam ein Kränzchen (seine Begeisterung hielt sich in Grenzen).
Beim Zeughaus gab es dann Sandwichs, Kaffee, Kuchen, Wein, Bier und Eistee. Jeder konnte essen und trinken bis er satt war und dann etwas Geld in die bereit gestellte Kasse legen. Wir haben über 90 Brötchen gefüllt - alle wurden aufgegessen. Auch das Kuchenbuffet war am Abend leer.

Im Stall sind die Tiere noch nicht. Sie weiden noch verteilt auf den Wiesen rund ums Dorf. Aber sie sind wieder in unserer Obhut. Die Hirten werden diese Woche noch nach und nach bei mir ihren Lohn holen - dann wird es langsam wieder ruhiger in der Alpgenossenschaft.

Blumenbauchkranz für die beste Kuh  Blumenkränzchen  Brett auf dem Kopf - das Blumenschild  Hirtenhund mit Blumenschmuck 

17.09.2010

 

Hier ruhen sie - die Rechen - bis Sommer 2011 - wehe Marco holt sie früher wieder!!!

Heute kam vom Bodensee Firma Hestro mit einem Lastzug Stroh. Es geht toll auf, das Heu und Silo im Tenn und jetzt noch das Stroh. Fehlen nur noch die Kühe.
Heute Abend ist Käschilbi im Weissen Kreuz und am Sonntag kommen die Kühe entgültig von der Alp. Aber die Milch muss ich noch weiter beim Nachbar holen. Marco hatt letzten Winter die Kühe so gut geführt, dass jetzt alle früh kalben. Dafür sind jetzt alle galt und es wird noch ein paar Wochen gehen bis bei uns die Milch wieder fliesst.

15.09.2010

Schon um sechs Uhr fuhren wir ins Val Tours. Es war noch dunkel, in den Maiensäss schlief noch alles. Die Mutterkuhherde mussten wir teilen, die jetzige Alp ist zu klein für alle. Die Gruppe aus dem Aargau trieben wir nach Latsch. Bis wir dort an kamen, war es schon hell und überall standen die Latscher an den Fenstern oder vor der Tür um zu sehen wer da schon so früh mit Kuhglocken vorbei zieht.

Jetzt kommt Bewegung in die Alpen. Herde um Herde werden nach Hause geholt. Die Thurgauer haben ihr Jungvieh auch schon heute geholt. Es war ein guter Sommer, obwohl es ein paar Mal recht kalt wurde und das Vieh mit dem Schnee Bekanntschaft schloss. Wir hatten auch ganz tolle Hirten. Auf der Muttertieralp wurden 21 Kälber geboren, hätte Claudio unser Hirt nicht so gut aufgepasst, wären zwei gestorben. Eine Kuh bekam Zwillinge, eines davon kam tot auf die Welt. Die Kuh hat sich nur um das tote Kälbchen gekümmert und gar nicht bemerkt, dass noch ein zweites auf ihre Aufmerksamkeit hoffte. Sie wollte das lebende Kälbchen gar nicht annehmen. Claudio hat viel Erfahrung mit Mutterkühen, er hat seine Tricks und so ist die Kuh jetzt glücklich mit ihrem Kalb.
Ein Alpsommer erzählt halt viele Geschichten.

Gestern Abend, gab es noch einen Blitzeinsatz! Weil die Thurgauer ihre Tiere schon morgens um 8.00Uhr abholten, mussten die Tiere am Abend vorher schon ins Tal. (Die Lastwagen können nicht bis auf die Alp fahren um das Vieh zu verladen.) Die eingeteilten Bauern waren spät dran und wurden von der Dunkelheit überrascht. Besonders als sie in den Wald kamen war kaum noch was zu sehen. Die Tiere wollten nicht mehr, sie verschwanden immer wieder im Wald. Wolfgang bat per Handy um Hilfe. Zusammen konnten wir dann die Tier auf die sichere Weide Frazza bringen. Vorne und hinten leuchtete ein Auto den Weg aus, so konnten sich die Tiere wieder orientieren.


  Wegenstetter Kühe in Latsch 

13.09.2010

Das war ein würdiger Abschluss gestern. Das letzte Fuder lud Riet im Dunkeln. Marco rannte mit der Taschenlampe umher und markierte so die nächste Heumade. Wenn alles normal gelaufen wäre, hätten wir um 18.00 Uhr das letzte Emd eingebracht. Aber Riet musste ein Fuder für Lini, ein Fuder für Wolfgang und noch ein Fuder für Urs einbringen. So fehlte uns auf unserer strengsten Wiese nicht nur ein Fahrer sondern auch eine gute Kraft um die Heutücher zu tragen und die steilen Hänge zu rechen. Soviel gab es ja nicht. Marco trug drei Heutücher und Armon drei. Mit einem Mann mehr, wäre es natürlich noch schneller gegangen.
Um 22.00 Uhr sassen wir beim Nachtessen um den Tisch und vielen fast vom „Stängeli“, müde schleppten wir uns ins Bett. Marco hatte nicht mal mehr Lust sich den Tennismatch anzuschauen.
Der heutige Morgen hat deshalb sehr schleppend angefangen. Mal schauen ob wir am Nachmittag einen Gang mehr einlegen können.

12.09.2010

Heute ist ein wunderbarer Herbsttag. Stahlblauer Himmel, kein Wölkchen und einen gestochen scharfer 3D Fernblick.
Heute ist aber auch ein Höhepunkt in unserem Landwirtschaftsjahr: Wir werden das letzte Fuder Emd einfahren. Dann bleibt uns nur noch eine Wiese, die werden wir aber silieren und ist sozusagen „Peanuts“!
Ich hoffe der nächste Sonntag wird auch so schön, endlich wieder einmal ein freier Sonntag! Hurra! Doch halt – nächsten Sonntag haben wir Alpabzug. Wir haben ein ganz schlechtes Gewissen, weil ja Bettag ist. Darf man an einem Bettag Alpabzug machen? Wir haben hin und her geschoben, aber irgendwie geht es einfach nicht anders.
Mein Vorschlag war der Montag. Aber blöderweise haben die Mesen zuviel von der Kuhweide abgefressen, so ist am Sonntag endgültig fertig mit der Weide.
Übernächsten Sonntag ist Neuuniformierung der Musikgenossenschaft… naja, vielleicht gibt es doch irgendwann in diesem Herbst noch ein Sonntag für uns.

01.09.2010

Der Frost hat Einzug gehalten. Heute morgen war alles hauchdünn mit Eiskristallen überzogen. Dafür ist der Himmel intensive Blau.
Ebenfalls heute ist Jagdbeginn. Das ganze Dorf ist modisch grün gekleidet - jedenfalls hat es den Anschein. Die Jäger sitzen in der Gartenwirtschaft und erzählen und erzählen...! Ich frage mich nur: Was machen die hier im Dorf. Müssten sie nicht im Wald unter Bäumen liegen, sich anpirschen und Hirsche erlegen? Naja, vielleicht war es ihnen heute morgen ja zu kalt. Ich jedenfalls, habe keinen einzigen Schuss gehört.
Endlich können wir das Emd schneiden. Marco und Riet sind schon den ganzen Tag am mähen. Ich freue mich, dann kommen wir wieder ein Stück vorwärts. Nächste Woche fangen wir an zu wursten und da ist es leichter wenn das Emden nicht im Nacken sitzt. Mit heuen sind wir zum Glück fertig. Ich habe immer so ein komisches Gefühl, wenn wir in Darlux, während der Jagd, noch heuen müssen. Die vielen grünen, bewaffnete Männchen in den Büschen rundum sind mir unheimlich.

23.08.2010

Wir sind ja soooo gut...!!! Gestern wurden wir sogar fertig bevor es dunkel wurde. Men musste schon auf den Dreiuhrzug und verlies uns schon um 13:00 Uhr, Riet verabschiedete sich auch um 3:00 Uhr. Armon konnte noch bleiben bis zuletzt und auch RitaBina meine Schwägerin hatte tüchtig mitgeholfen. Hife bekamen wir auch noch von unseren Feriengäste. Georg, der Vater, hatte richtig Spass am rechen. Mit soviel Hilfe mussten wir es ja schaffen.
Mit mähen haben wir sieben Kilo Steinpilze abgemäht. Wir mussten sie nur noch auflesen, leider waren viele davon Wurmstichig. Trotzdem waren es zuviel und ich konnte sogar noch einfrieren.

21.08.2010

Eigentlich dachten wir: Bis Montag schönes Wetter super, das reicht und wir können endlich Darlux nach Hause holen. So brummte der Motor schon am Donnerstag auf Darlux. Halm für Halm fiel - bis um 15.00 Uhr, dann brach ein Stück vom Mähbalken - typisch, ausgerechnet. Marco fuhr mit dem Teil nach Tiefencastel zum Landmaschinenmechaniker. Der hatte das Teil nicht vorrätig. Super!!! Zum Glück konnten wir den Mäher des Nachbarn ausleihen, aber nur bis am Freitagnachmittag. So mähte Marco am Donnerstag bis er nichts mehr sah. Gerade als er nach Hause wollte kam der Wirt vom La Diala in einer Aufregung. Er dachte es sei was passiert, weil er das Auto noch sah und kein Motorengeräusch mehr zu hören war. Als er dann noch den kaputten Balken am Wegrand sah dachte er schon an das Schlimmste. Der Funk hatte er schon dabei, damit er der Rega telefonieren konnte.

Gestern gab es am Abend ein Gewitter. Marco, Nadia und Men waren alleine (ich weilte im Unterland bei der Hochzeit meines Bruder) aber es gelang ihnen trotzdem wenigstens zwei Fuder trocken ins Tenn zu bringen. Men wollte eigentlich zu seinen Kollegen ins Engadin über das Wochenende. Entschied sich aber doch zu Hause zu bleiben um zu helfen. Marco war froh und meinte: ohne ihn hätten sie es nicht geschafft.
Unsere Kids sind halt alle tüchtige Recher. Wenn alle kommen können sind wir in unglaublicher Geschwindigkeit fertig.

In einer halben Stunde fahren wir nach Darlux. Vermutlich werden wir rechen bis wir nichts mehr sehen. Riet muss am Sonntag um fünf schon wieder in den WK. Der Wetterbricht hat zurück gekrebst. Am Montag soll es schon wieder regnen - blöd, mit dem Montag haben wir noch gerechnet. So mussten wir unsere Anwesenheit beim 10 Jahre Biomilchpool absagen. Morgen Abend muss ganz Darluz im Heustall sein. Wie und ob wir das schaffen steht noch in den Sternen - ich jedenfalls zweifle.

17.08.2010

Die Blaudistelnernte geht dem Ende zu. Zwar stehen im Feld noch über 5000 Stiele - aber leider sind sie verblüht. Marco meint: Nächstes Jahr brauchen wir noch einen Abnehmer. Coop alleine verkauft zu wenig! Sonst gehen wir nach Zürich und machen einen Blaudistelngeschäft auf für zwei Monate.
Letzte Woche hatten wir Alphornkurse hier in Bergün. Überall wurde geblasen, das war richtig schön und versüsste uns das miserable Wetter. Aber die Sonne hat sich für diese Woche angemeldet. Dann sollte es endlich wieder einmal wärmer werden - vielleicht - eventuell???

10.08.2010

Das Heu von Falein ist im Heustall! Super! Jetzt nur noch Darlux (angefangen haben wir schon) dann müssen wir nur noch Emden. Aber Falein war dieses Jahr ein 'knorz' natürlich wegen dem Wetter. Drei Tage Sonnenschein haben sie uns versprochen. Denkste - als es endlich schön wurde war schon Samstag. Riet bodigte ganz Falein. Wir hofften am Sonntag soviel wie möglich zu schaffen, weil... Riet wurde von Väterchen Staat gerufen - jawohl am Montag rückte er in den WK ein und Marco und ich standen ganz alleine auf der Wiese. Am Sonntag kam schon um 16.00 Uhr ein Gewittersturm und so brachten wir gerade ein Fuder ins Trockene. Bevor wir richtig durchnässt wurden, retteten wir uns ins Maiensäss von Anni. Dort wurden wir, bis es vorbei war, aufs vorzüglichste Verköstigt, mit heissem Kaffee, Guetzli und Birebrot.
Und am Montag standen wir zwei also ganz alleine, vor diesen riesigen Halden.

Die Halden müssen wir alle von Hand rechen 

Zuerst mussten wir die nassen Maden vom Sonntag wieder verzetten, dann fing die Recherei an. Um 21.00 Uhr war es leider dunkel und wir mussten zusammen packen. Ich hatte zum Glück noch Spaghetti im Kühlschrank, die konnte ich nur aufwärmen. Marco meinte: Das ist ein richtiges Menu für Spitzensportler wie wir!
Man sagt ja: Und wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.
Unser Lichtlein war heute Familie Fürholz. Susanne, Bernhard, Andrea, Tobias und Sereina kamen um 10.00 Uhr extra von Zürich um uns zu helfen. Am Morgen schnitten wir 1000 Blaudisten, am Nachmittag rechten wir Falein fertig und am Abend holten wir das Stück von Darux in den Heustall.
Ich denke diese Nacht kann ich richtig gut schlafen.

07.08.2010

Es ist das erste Jahr, dass wir aus diesem Feld eine grössere Ernte holen. Wir haben es vor drei Jahren angesetzt. Die Pflänzchen wurden bei mir im Garten angezogen. Das heisst: Ich hatte seit drei Jahren kein eigenes Gemüse und keinen eigenen Salat mehr. Da wuchsen nur noch Blaudistelnsetzlinge. Welche natürlich auch im Unkraut jämerlich verkommen wären, hätte sich nicht meine Schwägerin Rita Bina ab und zu ihrer erbarmt. Sogar Marco taten sie leid und er griff zur Hacke. Naja - für die Gartenarbeit bin ich einfach nicht geschaffen. Wer denkt bei mir einen richtig schönen Bauerngarten vorzufinden, mit Gemüsen aller Arten, Tomaten unter den Hauben und leuchtenden Erdbeeren, den muss ich enttäuschen. Bei mir kann sich die Natur voll entfalten.
Aber jetzt ist eh Blaudistelnzeit. Am Besten schneidet man die Blumen am frühen Morgen oder am späten Abend. Dann hat es nicht soviele Viecher auf den Blumen. Ansonsten wandelt man in einem Schwarm von Bienen, Hummeln, Wespen und was sonst noch so alles nach dem Nektar lechtzt.
Toll ist natürlich auch, wenn man beim Schneiden Hilfe bekommt. Dann geht es noch viel schneller. Zu Hause muss ich dann noch alle binden. Immer 10 Stiele zusammen, getrennt nach Qualitäten.
Viele verkaufen wir auch zu Hause vor dem Haus. Das macht mir besonderen Spass. Weil ich verschieden Sträusse binden kann, und die besonders Schönen kommen in der neuen Blechvase meiner Mutter ganz toll zur Geltung.

Familie Fürholz unsere fleissigen Helfer