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Highlights aus Bergün 2011

15.03.2011

Am Montag traf Marco einen Kollegen der ihm von seinem Unfall erzählte: Im Winter hatte ihn ein Tier im Stall so schwer am Bein verletzt, dass er im Spital operiert werden musste. Wie es halt so ist mit den Unfällen, da bleibt keine Zeit um vorher noch alles zu organisieren. Besonders die Stallarbeit ist öfters sehr kompliziert. Eine Kuh schlägt aus, die andere hatte Antibiotika und darf deshalb noch nicht in die normale Milch gemolken werden. Eine andere ist galt oder hat einen Viertel. Bevor man also so ein Melkstand betritt braucht es viele Informationen.

Was aber, wenn man schon im OP liegt und alleiniger Insider des Betriebes ist – kein Problem – dann macht man es halt vom OP-Tisch aus. Während der Chirurg im unteren Teil herumschnipselte versuchte der obere Teil sein Wissen dem Melker im Stall weiter zu geben. Das kann ja auch nur einem Landwirt in den Sinn kommen. Der Anästhesist schüttelte nur den Kopf: Sowas sei ihm noch nie passiert! Um ihn endlich ruhig zu stellen, drückte er einfach noch ein bisschen Beruhigungsmittel nach und Ruhe herrschte im Saal

13.03.2011

Das letzte Wochenende der Saison. Die Basler haben noch Ferien, die Reka ist noch eine Woche voll belegt. Auch unsere Ferienwohnung ist besetzt – aber dann wird es wohl wieder ruhiger. Ehrlich gesagt bin ich nicht traurig darüber, nicht weil ich dann nicht mehr soviel Arbeit habe nein, - unser Keller ist gähnend leer. In unserem Shop heisst es überall „im Moment ausverkauft“
Es hat noch Salsiz, Hauswürste, Bratwürste, Diabolinis und… sonst nichts mehr an Würsten!
Konfitüre hat es noch ein paar wenige Gläser, aber da habe ich noch Beeren im Tiefkühler die auf ihre Verarbeitung warten.

Ja und irgendwie zwickt es mich in den Fingern. Obwohl ich nicht die Superhausfrau bin und bei mir auch Spinnen und Staub ihre Berechtigung zum „Sein“ haben – beschleicht mich im Frühling dieser unheimliche, unausweichliche Drang das Haus zu putzen. Dann heisst es: Entweder dem Drang nachgeben oder in eine Ecke sitzen bis er vorbei ist.
Wie ich mich entscheiden werden? – Ach das lasse ich auf mich zukommen!

Und – Trommelwirbel bitte: Ich war in diesem Jahr schon zwei Mal auf der Piste. Ich klopf mir selber auf die Schultern, das wird ja immer besser im Alter. Die Piste auf Darlux ist nach wie vor einmalig. Men hatte auch seine Premiere. Er der alles macht, aber ganz sicher nie, niemals kleinen ‚zwengligen’ Kids das Snowboarden beibringen – gab eine ganze Woche Snowboardunterricht. Ich glaub es hat ihm sogar gefallen – auch wenn er dies nicht keinesfalls zugeben würde. Er erzählte:
Die Kids wollten unbedingt Tiefschnee fahren. Links und rechts kugelten sie an ihm vorbei und fanden es megageil! Einer brüstete sich: „Man ich habe einen ‚uhuregrossen’ Stein erwischt.“ Men forderte ihn auf: „Zeig mal dein Board.“ Trotz genauem untersuchen fand er keinen Kratzer: „Ich sehe nichts!“
„Ich meine doch nicht am Board,“ lachte der Junge, „sondern am A….(ich schreibe jetzt mal das A-Wort nicht aus aber gesagt hat er es)“

Marco hat wieder einige Degustationen hinter sich. Gestern und Vorgestern war er in St.Moritz im Coop am Werk. Als er am Freitag auf den letzten Bus wartete um nach Hause zu fahren. Fuhr dieser ohne zu halten an ihm vorbei. Marco pfiff durch die Finger und rannte dem Bus nach – der fuhr unbeirrt weiter. Da hielt ein Tessiner neben ihm und fragte was passiert sei. Sie haben ihn dann auf den Bahnhof gefahren. Ich lachte mich fast krumm, bei der Vorstellung wie Marco mitten in St.Moritz das ganze Dorf mit einem Pfiff erzittern liess und der Bus unbeeindruckt weiter tuckerte. Das Beste: Am Samstag spottete er bei einer Kundin aus St.Moritz was für tolle Busfahrer sie doch in St.Moritz haben und erzählte ihr lachend von seinem Bus-Erlebnis. Derweil grinste seine Kollegin hinter der Theke still vor sich hin. Als die Kundin ging kicherte seine Kollegin: „Da warst du aber bei der Richtigen – Sie sitzt in der obersten Etage bei dem Bus-Unternehmen hier in St.Moritz.“ Ups!

22.02.2011

Die kleine Romina hat uns auf eine echte Geduldprobe gestellt. Am 1. Oktober ist sie geboren. Die Ärzte meinten wir müssen uns schon bis zum ursprünglichen Geburtstermin den 18. Januar gedulden. Es hat sich noch ein wenig länger dahingezogen. Aber gestern durfte sie dann endlich nach Hause. Sie ist so süss, am liebsten würde man sie immer anschauen. Es ist schon etwas Einzigartiges so ein kleines Wesen.
Meine Nachbarin wird im April Grossmutter, wir wandern schon mal die Wege ab, die mit Kinderwagen befahrbar sind. Ich befürchte, wir brauchen auch noch einen Babyrucksack, bis zur Keschhütte schaffen wir es nicht – trotz grossen Rädern.
Es gibt ja auch die praktischen Dreiräder. Die sehen richtig geländegängig aus. Vom Radstand aus betrachtet würde dieses Gefährt den Panoramaweg in Latsch schaffen. Vielleicht finde ich im Secondhand noch so ein „Überstockundsteinluxuswagen“ gut gefedert mit stabilen Stoßdämpfern.
Marco meinte: Sobald sie windellos ist hütet er Romina. Er hat nämlich jetzt schon Panik wenn er mit dem Windelwechseln konfrontiert wird.

11.02.2011

Von allen Skigebieten kommen Hiobsbotschaften: Kaum Schnee – fahren auf Kunstschnee – eisige Pisten – überall Steine und Fels.
Nur unsere Kids schwärmen von super Pisten auf Darlux. Auch die Schlittelbahn soll in einem tollen Zustand sein. Die Gäste die ich fragte waren alle begeistert.
Gestern wollte ich es endlich selber wissen, am Morgen holte ich meine Ski aus dem Heustall. Befreite sie von Heu und Staub. Die Skischuhe waren wie immer gewöhnungsbedürftig – meine Füsse kamen mir vor wie in einen Amboss geschraubt. Marco musste mir sogar helfen die Dinger zu schliessen. Irgendwie schon schön, wenn ein Mann vor dir einen Kniefall macht – auch wenn es nur wegen den Skischuhen ist, das muss „Frau“ geniessen.

Ich hatte einen supermegatollen Nachmittag auf der Piste. Die Piste ist der reinste Wahnsinn. So liebe ich es griffig, ohne Steine – einfach Perfekt, überhaupt nicht eisig oder sulzig. Jetzt studiere ich schon ob ich mich vielleicht nächste Woche auch einmal loseisen kann und dann noch einmal – ab auf die Piste.

12.01.2011

Wie wenn man einen Lichtschalter umdreht – so hat sich die Saison verabschiedet. Wirklich ganz extrem – von 100 auf fast 0! Im Moment hat es vor allem Russen auf der Schlitterbahn. Die wollen immer Glühwein und wenn sie sehen, dass es bei mir nur alkoholfreier Punsch und warme Ovo gibt, verdrehen sie die Augen.
Ich sitze im Büro und ackere die Buchhaltung durch. Zuerst kommt die Buchhaltung der Alp. AHV, Unfallversicherung und Krankenkasse habe ich schon erledigt, jetzt noch den Buchhaltungsabschluss und die Lohnausweise. Dann kommt der grosse Teil – die Geschäftsbuchhaltung. Die habe ich sträflich vernachlässigt, weil die Alprechnung immer lauter geschrien hat.
Ich befasse mich jetzt wieder intensiver mit meinem Hobby. Jeden Morgen mache ich eine halbe Stunde Gymnastik. Dazu habe ich etliche DVD von der Marke Fit for Fun. Unser Arzt lachte als ich es ihm erzählte. Er meinte Fit sei gut, aber Hauptsache sei Fun. Ja, ja da hat er schon recht, aber wenn man drei Monate die DVD nicht braucht, fragt man sich wohin jetzt schon wieder die Bauchmuskeln verschwunden sind. Da trainiert man sich Muskel für Muskel und schenkt man ihnen nur ein paar Monatchen keine Beachtung, sind sie wieder weg. Irgendwie frustrierend – aber der Kopf lässt es nicht zu und so hol ich sie mir wieder Stück für Stück zurück.
Eigentlich mache ich es vor allem, weil ich mir meine Beweglichkeit erhalten möchte. Viel ist nicht mehr vorhanden – aber die die ich habe will ich behalten. Mein Ziel ist: Mit 70Jahren kann ich mir die Schuhe immer noch selber binden. Marco sagt er brauche das nicht. Wenn er 70 ist kann ich ihm die Schuhe zubinden.

03.01.2011

Hurra wir leben noch! Aus dem „Neu Jahrsstrudel“ tauchen wir wieder auf und schnappen nach Luft. Es war sehr streng. Wir rannten und rotierten, kamen kaum zum Durchatmen – aber es war toll! Ich liebe es wenn es so super läuft. Die Punsch- und Ovotöpfe schrien ständig nach Nachschub und die heissen Würste wanderten ohne Unterbruch in die Bain-Marie. Wir waren richtig im Schuss, kästen, machten Jogurt und kochten Cremes… Marco kam gar nicht mehr nach mit der Milchproduktion.
Heute ist der erste ruhigere Tag seit langem und ich komme mir vor wie auf einem Laufband. Man rennt und rennt und bleibt doch am Ort. Arbeit hätte ich genug – aber Buchhaltung und Putzen ist halt einfach nicht soooo spannend! Mein Bremsspur ist halt immer etwas länger…! Aber morgen… morgen werde ich dann putzen! Vielleicht, eventuell…!