Tagebuch April bis Juli 2010
30.07.2010
Wir stecken jetzt mitten in der Blaudistelnernte. Dank des regnerischen Wetters haben wir auch die Zeit uns mit ihnen abzugeben. Oft ist es so, dass wir Blaudisteln schneiden müssen und Heu einbringen. Dann sieht man den Arbeitshorizont nicht mehr und ist froh, wenn die Blaudisteln oder das Heuen endlich fertig ist.
Für die jetzigen Feriengäste ist das Wetter schlimm. Besonders wer nur eine Woche Ferien hat, da ist es natürlich doppelt frustrierend, wenn es andauernd regnet. Aber ich hatte, dank Regen, eine kleine Verschnaufpause. Ich konnte meine Konfitüre aufstocken und die Buchhaltung in Ordnung bringen. Besonders die der Alpgenossenschaft. Ich habe auch einen lieben Brief von unserem Steuerkommissär bekommen. Ich darf in meiner alten Buchhaltung von 2008 wühlen und Kopien der Belege einschicken – mitten im Sommer! Marco meint, der könne auch nicht warten bis es jedem genehm ist. Die Belege zusammen suchen ist ja schnell gemacht, aber dann alle noch kopieren… seufz, ach ich arme Jungfrau zart…!!!
12.07.2010
Gestern Abend hatten wir ein gewaltiges Gewitter – endlich. Die Wiesen lechzten nach Wasser, die Luft flirrte, sogar der Himmel zeigte nicht mehr das gewohnte satte Blau. Der Wetterbericht hat ja den ganzen Tag Gewitter vorhergesagt. Bei uns zogen sich die Wolken erst gegen den Abend zusammen. Die Spannung in der Luft war spürbar die grauen Wolken zogen sich immer tiefer über die Berggipfeln, wie eine Mütze die man sich über die Ohren zieht wenn’s ungemütlich wird. Dann Donnerrollen, Blitze die krachend in die Felsen schlugen und endlich öffneten sich die Schleussen. Alles schien aufzuatmen, wie ein grosses Ahhhh…zog es übers Land. Die Menschen öffneten die Fenster, die Türen und bestaunten das Schauspiel. Regen als ob da oben jemand das Wasser mit Kübeln ausleert.
Für zwanzig Minuten streikte sogar der Fernseher. Genau als das Spiel Holland gegen Spanien anfing. Da wurden wohl einige Fans nervös. Als der Regen die Spannung in der Luft neutralisierte flackerte auch der Bildschirm wieder auf.
Heute Morgen ist es angenehm Kühl, richtig erfrischend. Marco ist im Kanton unterwegs als Prüfungsexperte. Ich halte hier die Stellung, heute Nachmittag möchte ich mich hinter die Buchhaltung klemmen und jetzt bring ich den Haushalt in Schwung. Bald fängt das Bergrennen an und dann muss ich fit sein.
11.07.2010
Ich denke oft daran wie heiss es jetzt wohl im Unterland ist, wenn es hier schon so brennt. Men und Riet haben diese Woche 650 Flaschen Tannenspitzensirup eingekocht. Ich habe 39 Kg Alpbutter eingesotten. Der Keller füllt sich wieder. Zum Glück können wir erst am 15 Juli weiter heuen, so können wir noch nacharbeiten. Der Garten ist bei mir immer noch eine Katastrophe. Wenn ich da nicht Marco, Armon und Rita Bina (meine Schwägerin) hätte, wäre er schon längst ein Urwald, ein undurchdringliches Dickicht. Ich müsste dann mit der Machete in den Garten und mich zu den Rosensträucher durch hauen.
Jetzt stehen noch sechst vierzig Liter Kannen mit Holundersirup im Verarbeitungsraum. Dann hat das Geklebe ein Ende. Die Ameisen haben den süssen Boden geschmeckt und kamen in Scharen. Da habe ich den Boden mit heissem Wasser gewässert und geschruppt. Die nächsten Ameisen kamen und irrten verwirrt umher. „Da war doch was, wo ist all der süsse Zucker?“ Ha! Die habe ich ausgetrickst. Jetzt sind sie verschwunden und kommen hoffentlich niemehr.
29.06.2010
Im Moment schreibe ich nicht viel. Nicht dass ich überhaupt keine Zeit habe, sondern weil mein Arbeits-PC beim PC-Help ist. Mir ist es einfach wohler dort zu schreiben als hier auf dem PC der Allgemeinheit. :-)
Wir sind kräftig am Heuen. Wenn es diese Woche noch schön bleibt, sind wir fertig hier in Bergün. Dann müssen wir warten bis am 15. Juli, zum Start des Bergrennens. Ab dem 15. dürfen wir in die Höhe, bis dann haben alle Blumen ihren Samen geworfen. Sonst würde es bald aus sein mit unseren prächtigen Bergblumenwiesen und das wäre nun wirklich schade.
Heute werden wir mit Plaz fertig. Morgen gehen wir auf die strengste Wiese die wir haben, mir tut jetzt schon alles weh.
22.06.2010
Ich wollte eigentlich waschen, aber die Sonne will sich noch immer nicht zeigen und den Tubler möchte ich eigentlich nicht brauchen.
Wir sind schon seit zwei Tagen am Blaudisteln aufbinden. Viele sind gebrochen, was mir mehr Sorgen macht sind die Frostspuren. Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Blaudisteln erholen. Es müsste auf alle Fälle jetzt warm werden. Sonst wandern sie alle auf den Kompost.
Die Kühe sind seit heute Morgen wieder auf der Alp.
20.06.2010
Das war wohl die kürzeste Alpzeit. Sie wird in der Geschichte eingehen - nach drei Tagen schon wieder zu Hause. Es hat geschneit. Hier in Bergün, gab es zwar ein paar Flocken, der Boden nahm sie aber nicht an. Aber etwas weiter oben liegt der Schnee dick. In Alp Tesch ist der Stall so eng, dass die Kühe nicht liegen können. Er ist nur zum Melken da. Die Kühe sind also die ganze Nacht schon gestanden, sie sind müde und erschöpft. Deshalb haben die Hirten die Kühe wieder ins Tal getrieben. Jetzt sind sie im Stall und können sich ausruhen.
Der Alpgang des Jungviehs haben wir wegen dem angekündigten Schnee verschoben. Das Jungvieh und die Mutterkühe vom Unterland sind zwar gekommen, wir liessen die Herde aber in Avalungia, gleich unter den Bergünerstein, dort hat es nicht geschneit.
Ich werde wohl heute noch schnell nach Preda fahren und schauen wie schlimm es die Blaudisteln erwischt hat. Riet und Marco müssen in Tuors und auf Plaz vert. Dort sind unser Rinder, Mesen und Kälber. Es hat genug Wald zum unterstehen. Der Schnee kann aber den Hütedraht auf den Boden drücken. Wieso sowas immer an Sonntagen sein muss.
17.06.2010
Heute kam die Tour de Suisse bei uns vorbei. Die Tour de Suisse ist mein "Tächlikappelieferant" zum Heuen. Früher konnte ich immer die Kids schicken, heute muss ich mich selber hinstellen, sonst bekomme ich keinen Hut.
Bis kurz bevor sie kamen regnete es wie aus Kübeln. So machte es überhaupt keinen Spass an die Strasse zu stehen. Ich schaute nur aus dem Fenster und dachte: "Sollen sie halt mal ohne mich!" Doch dann hörte man den ersten Werbewagen. Ich trat vors Haus, ein Mann blickte aus dem Auto, sah mich und warf mir mit Schwung ein Frottetuch vor die Füsse, gelb war es, mit "Gruyère" drauf gestickt!
Dann gesellte ich mich doch zu den Anderen. Wegen der Gesellschaft und weil sogar die Sonne das Spektakel sehen wollte: Die Wolkendecke riss auf, die wärmende Sonne tat richtig gut.
Die Werbewagen sind ja das spannendste an der ganzen Sache. Sie künden sich mit lautem Trara an und verteilen Fähnchen, Mützen, Eis am Stiel und vieles mehr. Manche gurkte es total an, die strecken teilnahmslos ihr Produkt aus dem Fenster. Andere lächelten fröhlich. Dann gab es noch die Strengen, die passen ganz genau auf, dass niemand zwei Werbegeschenke bekam.

Werbeauto
Wenn die Werbeautos vorbei sind, kommt lange nichts mehr. Da die Sonne sich die Ehre gab, war das egal, wir warteten und genossen die Wärme. Pasquale rannte immer wieder ins Haus, im Radio gaben sie laufend durch wo der Tross gerade war. Dann kamen die Töfffahrer, von der Polizei, von der Presse und vom Militär! Lautes Gebrumme und noch intensiverer Benzingestank. X-Autos rasten, in einem Affentempo, mit Ersatzfahrräder auf dem Dach vorbei. Eines hätten sie ruhig abgeben können. Für was brauchen die soviele Fahrräder - und meines ist ein alter Kläpper.

Die Autos kündeten an wie weit der Tross noch weg ist

Fahrradersatzteilauto
Endlich kamen die ersten Rennfahren - obwohl, ich glaube den Ersten habe ich verpasst, der war echt zu schnell. Macht nichts, die anderen waren auch nicht langsam! Dann kam Annemarie und wir haben alle gejollt! Kurz nach Annemarie kam das grosse Feld. Und zuletzt noch der Besenwagen.

Die ersten in einem wahnsinns Tempo

Dann kam Annemarie

Dann das Feld

Zuletzt der Besenwagen
Marco war in Preda, weil man vom Start aus weit die Strasse runter sah. Von dort konnte man die Rennfahrer gut sehen, wie sie sich den Berg hochquälten. Er traf ein Italiener der kannte fast jeden Fahrer mit Namen. Und hat sogar einen ein paar Meter gestossen - hoffentlich wird dieser jetzt nicht disqualifiziert!
15.06.2010
Heute ist Alpaufzug! Jetzt haben wir nur noch vier Kühe zu Hause, die gehen in den nächsten Tagen auf die Alp Bischola. Wir haben leider nicht Platz für alle Kühe auf unserer Alp. Deshalb gibt jeder Bauer noch ein paar Kühe auf eine Fremdalp.
Das Jungvieh und Kälber gehen am 19. 06. Das heisst: Ab Sonntag sind wir viehlos. Das heisst weiter: Am Sonntag können wir ausschlafen. Vielleicht – wenn es nicht schneit. Meistens schneit es ein paar Tage nach dem Alpaufzug… hmmm das ist schon fast Tradition. Eine Tradition auf die wir verzichten könnten.
Auf der Alp stehen die Kühe jetzt knietief im Gras. Das gibt viel Milch und super Käse.

08.06.2010
Wahnsinn ich habe eine neue Bank. Ich habe schon fast nicht mehr daran geglaubt, aber jetzt steht sie vor dem Haus. Ich renne immer wieder zwischen durch nach draussen um sie anzuschauen. Mein Plätzchen vor dem Haus ist eine wahre Freude. Riet hat es mir mit dem Hochdruckreiniger gejätet, jetzt sieht man kein Halm mehr. Und jetzt ziert mein neues Prunkstück noch das Haus.
Die alte Bank war fast schon kriminell. Ich wartete den ganzen Winter durch, dass sie eines Tages zusammen kracht - mit mindestens vier Touristen drauf, was würde ich dann machen...? Wahrscheinlich hätte ich einfach Marco an die Türe geschickt. Er hat sich standhaft jahrelang gegen eine neue Bank gewehrt. Immer wieder wurden irgendwo neue Schrauben eingeschraubt, letzten Frühling hat er die Beine mit einem Brett stabilisiert. Ein trauriger Anblick. Aber das ist ja Vergangenheit.


07.06.2010
Man sagt ja: Bei uns wachsen die hübschen Mädchen auf den Bäumen.
Aber bei uns sitzen sogar die Männer auf den Dächern. Die sind dort zwar nicht gewachsen, aber sie suchen Sujet für die Kamera.
Reto hat auf der Tanne in Ricos Garten ein Elsternnest entdeckt. So heimlich wie er das Leben der Elstern beobachtete, zückten wir den Fotoapparat und kehrten den Spiess um.


05.06.2010
Heute hat Men Geburtstag. Leider ist er nicht hier. Er feiert mit seinen Kollegen. So ist es, wenn die Kids ausfliegen. Mutters Geburtstagskuchen verblasst gegen den Kuchen einer Freundin. Dabei wäre meiner ja um vieles besser – da bin ich überzeugt.
Dafür ist endlich wieder einmal schönes Wetter. Das stärkt alle Sinne. Im Moment strahlen alle Wiesen in sattem Gelb. Die Männer mögen den Löwenzahn nicht. Das ist nur Kraut und verdrängt die wertvollen Grashalme. Aber die Farbe ist einmalig und die Bienen können sich richtig satt essen. Sie tauchen mit dem ganzen Körper hinein in den gelben Nektar.
Der Löwenzahn ist für mich die erste Ernte im Jahr. Stundenlang sitze ich mitten in der Wiese und pflücke die kleinen Blütenknospen. Manchmal hilft mir auch Marco. Martin unser Lehrling wurde auch einen Nachmittag dazu verdonnert. Es war nicht gerade ergiebig. In derselben Zeit wie ich 400gr pflückte, schaffte er gerade mal 100gr. Ich glaube Martin eignet sich mehr zum Nägel einschlagen. Jetzt stehen auf alle Fälle wieder Alpenkapern im Keller. Jetzt möchte ich von den Blütenblätter noch Honig und Sirup machen. Mal schauen ob ich es schaffe. Manchmal ist die Natur schneller.
22.05.2010
Das kalte Wetter und der nahe Schnee lässt die Hirsche im Tal bleiben. Bis zu 20 Tiere hat ein Nazer in einem Rudel gezählt. Unser Nachbar meinte: Beim Einreiben stoben die Hirsche erst kurz vor dem Traktor auseinander und hinter dem Gefährt fingen sie wieder an zu weiden. Jetzt haben alle Landwirte so schnell wie möglich ihre Wiesen gemistet, damit die Hirsche nicht alles kahl fressen und unser Heuboden im Herbst leer bleiben.
Hirsche fressen wie Kühe – radiputz alles weg. Rehe picken sich nur ihre Lieblingskräuter heraus.
Zum Glück haben wir um unsere Blaudisteln in Preda ein hoher Zaun gezogen. Die Blaudisteln mögen sie besonders. Sie beissen aber nur die Blume in der Mitte ab. Ich wollte ein Rudel fotografieren. Leise schlich ich sie an, mit gezücktem Fotoapparat, bereit zum Schuss. Dann kam ein Auto den Pass hoch und hielt an um das Rudel zu beobachten Der Leithirsch hob den Kopf, horchte und rannte im Galopp davon, die ganze Herde hinter ihm her. Mit dem Zoom erwischte ich noch einen Hirsch, der kurz stehen blieb.
13.05.2010
Ich wusste gar nicht, dass neben unserem Land so ein schöner Viadukt steht. Die RHB saniert alle Viadukte und Brücken auf der Albulastrecke. Dazu müssen die Bäume rund um den jeweiligen Viadukt verschwinden. So hat sich der Viadukt in Clix nach und nach aus seinem grünen Kleid geschält und präsentiert sich jetzt prächtig und stolz als eindrücklicher Bau. Bald wird er verpackt und im Herbst erstrahlt er in alter Frische.
03.05.2010
Von einer Freundin kam ein Sms: Hat es bei euch tatsächlich geschneit?
Jawohl, und wie! Gut bei uns richtet es noch keinen Schaden an. Eigentlich ist es normal, dass der Kampf, in den Bergen, zwischen Winter und Frühling ziemlich heftig sein kann. Und manchmal zieht er sich sogar bis in den Sommer. Aber eben - jetzt kann uns noch nichts passieren. Die paar Blümchen im Garten sind sich einiges gewohnt und zimelich hart im Nehmen.
Ich hatte eher Angst um meinen neuen Stewi. Der Schnee hat schon seinem Vorgänger den Garaus gemacht. Aber er hat es zum Glück auch überlebt.
Jedenfalls, ist jetzt Bürozeit und kein Sonnenstrahl lockt nach drausse - hat doch auch seinen Vorteil oder!
02.05.2010
Endlich regnet es in Bergün! Die Gülle wird jetzt flott in die Erde gezogen und kann das zarte Gräschen, dass gerade das Licht suchte, nicht mehr verbrennen.
Ja so ist es im Frühling. Während wir Frauen das Haus von oben bis unten durchfegen, bringen die Männer den Mist und die Gülle aufs Feld. Durchs Haus zieht der angenehme Duft von Schmierseife und Möbelpolitur und draussen weht der Duft der Heimat.
Letzte Woche hatte ich Geburtstag, eigentlich nichts Besonderes für mich. Geburtstagpartys kenne ich nicht, weder als Kind noch als Erwachsene wurde jemals so was für mich organisiert. Und was man nicht kennt pickt einem nicht. Wenn ich ehrlich bin, wäre es mir auf meiner eigenen Geburtstagsparty irgendwie nicht wohl. Und hinterher muss man das Desaster sicher noch selber aufräumen – ohje! Wenn ich nur schon daran denke!
Dafür hat mich Marco sozusagen entführt. Ich musste nur Zahnbürste einpacken und etwas zum wechseln: Und einen Rock müsse ich noch mitnehmen – ja genau den Rock dürfe ich auf keinen Fall vergessen.
Zuerst verliess Marco die Autobahn beim Heidiland. Zum Kaugummi shopen – sagte er jedenfalls. Ich habe ihm nicht so richtig geglaubt. Soll unser Geburtstagsessen jetzt tatsächlich im Heidland statt finden, oder will er nur ein paar Donats holen? Es gibt dort eine Bäckerei die bäckt unglaublich gute Donats. Nein! – Er kaufte sich tatsächlich Kaugummi am Kiosk und wir stiegen wieder ins Auto. Wobei er genüsslich grinste. In Sargans hatte er für Alpinavera vor ein paar Wochen den Degustationsstand gehütet. Im Coop-Pizolpark - den sieht man von der Autobahn aus.
„Schau dort habe ich gearbeitet! Soll ich dir zeigen wo?“
Das war eine rhetorische Frage, denn ohne mein Zugeständnis abzuwarten verliess er schon wieder die Autobahn.
Es war Freitag, Abendverkauf und wir standen in diesem riesen Komplex. Eifrig erzählte er wo der Stand war und was er alles erlebte. An diesem Freitag wurde gerade Wein verkauft und Marco nahm eifersüchtig zur Kenntnis, dass der Kerl viel mehr Wein verkauft als sie damals Produkte der Alpinavera. In Schlange standen die Kunden an, kistenweise verschiedene Weine im Einkaufswagen.
Schon sassen wir wieder im Auto. Diesmal war es aber nur eine kurze Fahrt. Als ich den Namen des Hotels las fiel bei mir der Groschen:
„Rittehof! Da hast du doch geschlafen, als du in Sargans warst.“
Die Zimmer waren neu renoviert, mit viel Holz und einem Bogenfenster wie in einer Kirche. Super schön gestaltet. Und während ich das Zimmer bewunderte und mich riesig freute, zitterten die Wände und ein Zug donnerte vorbei. Neben dem Hotel stand auch der Bahnhof. Ich musste grinsen – das war mein Marco! Auch er musste lachen:
„Du weißt ja, wenn ich ein Zimmer aussuche hat es immer irgendwo einen Hacken.“
Das stimmt mit Marco zu verreisen ist nicht einfach eine Reise, das ist jedes Mal Abenteuer pur. Aber das Essen war einfach himmlisch. Am Nebentisch sassen vier Japaner. Sie bestellten vier verschiedene Teller. Als die Serviertochter die Speisen brachte wollten sie alles mitten auf den Tisch und zusätzliche vier Teller. So hatten sie ein vielfältiges Nachtessen quer durch die ganze Speisekarte.
Nach dem Essen gingen wir um die Ecke in ein Tanzlokal – das war echt total obercool! Es spielte ein Liveband. Die Gäste waren alle von Mittedreissig aufwärts – also in unserem Alter <ggg>.
Das Beste war: Es konnten alle, aber auch wirklich der Hinterste und Letzte richtig gut tanzen. Da gab es keinen der sich nur schüttelte oder im Takt hin und her wiegte. Ein wahrer Augengenuss. Und wir haben getanzt und getanzt bis um zwei Uhr morgens. Zuletzt waren nur noch ein Pärchen und wir. Aber deren Kondition war verpufft. Sie bewegten sich nicht mehr gross, hingen nur noch aneinander wie ein Mantel am Kleiderständer.
Marco hat sich noch geärgert weil er seine Brille im Zimmer liegen gelassen hat. So konnte er die beiden Männer an der Bar nicht sehen, die sich wie ein innig liebendes Pärchen benahmen. Ich musste ihm laufend berichten was sie gerade anstellten. Und eine Blondine mit super Body entpuppte sich auch aus der Nähe als Fehleinschätzung.
Am Samstagmittag waren wir dann schon wieder zu Hause. Eigentlich wollten wir ja noch das Schloss Sargans anschauen. Aber ich musste noch die Ferienwohnung richten. Um vier Uhr reisten Holländer an. Aber mir war es egal. Jetzt habe ich einen guten Grund noch einmal nach Sargans zu fahren. Ich möchte doch unbedingt einmal das Schloss anschauen – bei dieser Gelegenheit wüsste ich ein Hotel mit einem super Tanzlokal.
11.04.2010
Heute war Delegiertenversammlung der Landfrauen in Ilanz. Das ist immer ein besonderer Anlass. Es gibt Landfrauen und Bäuerinnen die ich nur an der DV sehe - also einmal im Jahr. Und dann ist ein Tag fast zu wenig. Es reicht gerade für ein paar Worte und schon steht man vor dem nächsten bekannten Gesicht. In Ilanz ist der Frühling schon eingezogen. Alles blühte - eine wahre Pracht.
Farbenfroh waren nicht nur die Blumen, auch unsere Trachten. Das ist immer wieder eine gute Gelegenheit die Trachten auszulüften.
04.04.2010
Ich habe den Schokoladenhase zu den Kaninchen gestellt, in der Hoffnung sie würden ihn neugierig beschnuppern. Das hätte ein super Foto gegeben. Aber die Kaninchen haben den armen Schokohase überhaupt nicht beachtet. Womit wieder einmal bewiesen wäre: Kaninchen betrachten den Schokohasen nicht als artverwandt. Sie ignorieren ihn sogar! Ist das jetzt rassistisch – Schande über Schande, unsere Kaninchen sind rassistisch – das haben sie aber nicht von uns! Unseren Schokohasen stimmte dies sehr traurig. Nicht einmal die Schneeglöggli konnten ihn aufheitern. Jetzt steht er wieder auf dem Tisch und harret seinem Schicksal.

