Tagebuch - Highlights aus Bergün
01.09.2010
Der Frost hat Einzug gehalten. Heute morgen war alles hauchdünn mit Eiskristallen überzogen. Dafür ist der Himmel intensive Blau.
Ebenfalls heute ist Jagdbeginn. Das ganze Dorf ist modisch grün gekleidet - jedenfalls hat es den Anschein. Die Jäger sitzen in der Gartenwirtschaft und erzählen und erzählen...! Ich frage mich nur: Was machen die hier im Dorf. Müssten sie nicht im Wald unter Bäumen liegen, sich anpirschen und Hirsche erlegen? Naja, vielleicht war es ihnen heute morgen ja zu kalt. Ich jedenfalls, habe keinen einzigen Schuss gehört.
Endlich können wir das Emd schneiden. Marco und Riet sind schon den ganzen Tag am mähen. Ich freue mich, dann kommen wir wieder ein Stück vorwärts. Nächste Woche fangen wir an zu wursten und da ist es leichter wenn das Emden nicht im Nacken sitzt. Mit heuen sind wir zum Glück fertig. Ich habe immer so ein komisches Gefühl, wenn wir in Darlux, während der Jagd, noch heuen müssen. Die vielen grünen, bewaffnete Männchen in den Büschen rundum sind mir unheimlich.
23.08.2010
Wir sind ja soooo gut...!!! Gestern wurden wir sogar fertig bevor es dunkel wurde. Men musste schon auf den Dreiuhrzug und verlies uns schon um 13:00 Uhr, Riet verabschiedete sich auch um 3:00 Uhr. Armon konnte noch bleiben bis zuletzt und auch RitaBina meine Schwägerin hatte tüchtig mitgeholfen. Hife bekamen wir auch noch von unseren Feriengäste. Georg, der Vater, hatte richtig Spass am rechen. Mit soviel Hilfe mussten wir es ja schaffen.
Mit mähen haben wir sieben Kilo Steinpilze abgemäht. Wir mussten sie nur noch auflesen, leider waren viele davon Wurmstichig. Trotzdem waren es zuviel und ich konnte sogar noch einfrieren.
21.08.2010
Eigentlich dachten wir: Bis Montag schönes Wetter super, das reicht und wir können endlich Darlux nach Hause holen. So brummte der Motor schon am Donnerstag auf Darlux. Halm für Halm fiel - bis um 15.00 Uhr, dann brach ein Stück vom Mähbalken - typisch, ausgerechnet. Marco fuhr mit dem Teil nach Tiefencastel zum Landmaschinenmechaniker. Der hatte das Teil nicht vorrätig. Super!!! Zum Glück konnten wir den Mäher des Nachbarn ausleihen, aber nur bis am Freitagnachmittag. So mähte Marco am Donnerstag bis er nichts mehr sah. Gerade als er nach Hause wollte kam der Wirt vom La Diala in einer Aufregung. Er dachte es sei was passiert, weil er das Auto noch sah und kein Motorengeräusch mehr zu hören war. Als er dann noch den kaputten Balken am Wegrand sah dachte er schon an das Schlimmste. Der Funk hatte er schon dabei, damit er der Rega telefonieren konnte.
Gestern gab es am Abend ein Gewitter. Marco, Nadia und Men waren alleine (ich weilte im Unterland bei der Hochzeit meines Bruder) aber es gelang ihnen trotzdem wenigstens zwei Fuder trocken ins Tenn zu bringen. Men wollte eigentlich zu seinen Kollegen ins Engadin über das Wochenende. Entschied sich aber doch zu Hause zu bleiben um zu helfen. Marco war froh und meinte: ohne ihn hätten sie es nicht geschafft.
Unsere Kids sind halt alle tüchtige Recher. Wenn alle kommen können sind wir in unglaublicher Geschwindigkeit fertig.
In einer halben Stunde fahren wir nach Darlux. Vermutlich werden wir rechen bis wir nichts mehr sehen. Riet muss am Sonntag um fünf schon wieder in den WK. Der Wetterbricht hat zurück gekrebst. Am Montag soll es schon wieder regnen - blöd, mit dem Montag haben wir noch gerechnet. So mussten wir unsere Anwesenheit beim 10 Jahre Biomilchpool absagen. Morgen Abend muss ganz Darluz im Heustall sein. Wie und ob wir das schaffen steht noch in den Sternen - ich jedenfalls zweifle.
17.08.2010
Die Blaudistelnernte geht dem Ende zu. Zwar stehen im Feld noch über 5000 Stiele - aber leider sind sie verblüht. Marco meint: Nächstes Jahr brauchen wir noch einen Abnehmer. Coop alleine verkauft zu wenig! Sonst gehen wir nach Zürich und machen einen Blaudistelngeschäft auf für zwei Monate.
Letzte Woche hatten wir Alphornkurse hier in Bergün. Überall wurde geblasen, das war richtig schön und versüsste uns das miserable Wetter. Aber die Sonne hat sich für diese Woche angemeldet. Dann sollte es endlich wieder einmal wärmer werden - vielleicht - eventuell???
10.08.2010
Das Heu von Falein ist im Heustall! Super! Jetzt nur noch Darlux (angefangen haben wir schon) dann müssen wir nur noch Emden. Aber Falein war dieses Jahr ein 'knorz' natürlich wegen dem Wetter. Drei Tage Sonnenschein haben sie uns versprochen. Denkste - als es endlich schön wurde war schon Samstag. Riet bodigte ganz Falein. Wir hofften am Sonntag soviel wie möglich zu schaffen, weil... Riet wurde von Väterchen Staat gerufen - jawohl am Montag rückte er in den WK ein und Marco und ich standen ganz alleine auf der Wiese. Am Sonntag kam schon um 16.00 Uhr ein Gewittersturm und so brachten wir gerade ein Fuder ins Trockene. Bevor wir richtig durchnässt wurden, retteten wir uns ins Maiensäss von Anni. Dort wurden wir, bis es vorbei war, aufs vorzüglichste Verköstigt, mit heissem Kaffee, Guetzli und Birebrot.
Und am Montag standen wir zwei also ganz alleine, vor diesen riesigen Halden.
Zuerst mussten wir die nassen Maden vom Sonntag wieder verzetten, dann fing die Recherei an. Um 21.00 Uhr war es leider dunkel und wir mussten zusammen packen. Ich hatte zum Glück noch Spaghetti im Kühlschrank, die konnte ich nur aufwärmen. Marco meinte: Das ist ein richtiges Menu für Spitzensportler wie wir!
Man sagt ja: Und wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.
Unser Lichtlein war heute Familie Fürholz. Susanne, Bernhard, Andrea, Tobias und Sereina kamen um 10.00 Uhr extra von Zürich um uns zu helfen. Am Morgen schnitten wir 1000 Blaudisten, am Nachmittag rechten wir Falein fertig und am Abend holten wir das Stück von Darux in den Heustall.
Ich denke diese Nacht kann ich richtig gut schlafen.
07.08.2010
Es ist das erste Jahr, dass wir aus diesem Feld eine grössere Ernte holen. Wir haben es vor drei Jahren angesetzt. Die Pflänzchen wurden bei mir im Garten angezogen. Das heisst: Ich hatte seit drei Jahren kein eigenes Gemüse und keinen eigenen Salat mehr. Da wuchsen nur noch Blaudistelnsetzlinge. Welche natürlich auch im Unkraut jämerlich verkommen wären, hätte sich nicht meine Schwägerin Rita Bina ab und zu ihrer erbarmt. Sogar Marco taten sie leid und er griff zur Hacke. Naja - für die Gartenarbeit bin ich einfach nicht geschaffen. Wer denkt bei mir einen richtig schönen Bauerngarten vorzufinden, mit Gemüsen aller Arten, Tomaten unter den Hauben und leuchtenden Erdbeeren, den muss ich enttäuschen. Bei mir kann sich die Natur voll entfalten.
Aber jetzt ist eh Blaudistelnzeit. Am Besten schneidet man die Blumen am frühen Morgen oder am späten Abend. Dann hat es nicht soviele Viecher auf den Blumen. Ansonsten wandelt man in einem Schwarm von Bienen, Hummeln, Wespen und was sonst noch so alles nach dem Nektar lechtzt.
Toll ist natürlich auch, wenn man beim Schneiden Hilfe bekommt. Dann geht es noch viel schneller. Zu Hause muss ich dann noch alle binden. Immer 10 Stiele zusammen, getrennt nach Qualitäten.
Viele verkaufen wir auch zu Hause vor dem Haus. Das macht mir besonderen Spass. Weil ich verschieden Sträusse binden kann, und die besonders Schönen kommen in der neuen Blechvase meiner Mutter ganz toll zur Geltung.

