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Mal dies - Mal das...

Alpfest auf Alp digl Chant


Schon das Tuorsertal für sich ist Abenteuer pur. Wild und ungestüm bestimmt der Tuorserbach die Landschaft. Blumenreiche Wiesen, schroffe Felsen, steinige Lawinenhänge und tausende Schmetterlinge prägten das Bild für die anreisenden Gäste. Fast wie in Kanada – nur ohne Bären. So rau wie das Tal, war auch das Wetter am 10. Juni. Unbeständig - mal verdunkelten schwere, schwarze Wolken den Himmel, dann stach die Sonne wieder unbarmherzig und drückend. Auf der Alp digl Chant ging ein angenehmer Wind. Die Hirten haben schon früh gemolken, den Stall ausgewaschen und Sägespänen gestreut. Trotzdem hoffte man, dass das Fest auf dem Vorplatz mit der gigantischen Bergkulisse rundum statt finden konnte. Zuerst sah es auch tatsächlich danach aus. Die Sennerin und die Bäuerinnen luden zum Apero. Duftende Butterzöpfe, süsse Mascarpone, milder Ziger und würziger Käse, verziert mit Alpenblumen. Ein milder, süffiger Weisswein, Milch, Buttermilch und Tannenspitzensirup für den Durst. Die Gäste genossen die kulinarischen Köstlichkeiten und liessen sich von der Sonne wärmen. Der Gemeindepräsident Peter Nicolay erzählt was alles mit dem Alpprojekt realisiert wurde. Claudio Cloetta, der Alpmeister, erklärt die Organisation der Alpen. Kaum beendete er seine Erläuterungen verdunkelte sich der Himmel. In Windeseile transportierten alle ihren Tisch und die Bänke in den Stall. Die gute Stimmung konnte der kurze Regenschauer aber nicht trüben. Es herrschte eine fröhliche, lockere Atmosphäre. Die Musikformation ‚ils Sepplis’ waren an dieser massgeblich beteiligt. Im gemütlichen Stall liess es sich dann auch ausgezeichnet essen und trinken. Die Landwirte grillierten Würste aus der Eigenproduktion und die Bäuerinnen arrangierten ein Büffet mit verschiedenen Salaten. Meringue und feiner Rahm von der Alp krönten den kulinarischen Genuss.
Bald lockte die Sonne die Gäste wieder aus dem Stall. Es gab viel zu sehen: Eine Kuh liess sich stoisch von den Kindern streicheln, zwei Esel schauten neugierig dem bunten Treiben zu und die Hirtenhunde durften für einmal herumtollen. Nur die Schweine interessierte die ganze Aufregung nicht. Sie suhlten sich in den Pfützen und liessen sich nicht stören.
Laufend wurden Wanderer spontan eingeladen um mitzufeiern. So vergrösserte sich die Festgemeinde zusehends – Trotzdem wurden die Schüsseln bis zu Letzt nicht leer.
Langsam kamen die Kühe von der Weide nach Hause – das Zeichen ihnen ihren Platz wieder frei zu geben. Nach und nach wanderten die Gäste wieder ins Tal, Kuhglocken bestimmten die Abendstimmung und alles lief wieder seinen gewohnten Gang.
Ein herzliches Dankeschön an alle die zum Gelingen der Alpprojketes beigetragen haben.

Ein Bazen auf Reisen...

In der Kasse von unserem Selbstbedienungslädeli finden sich immer wieder die seltsamsten Dinge. Das geht von Knöpfen über fremde Währungen bis zum Benzinjeton. Aber ab und zu erbeute ich kleine Kostbarkeiten. Da lag letzten Februar ein ‚Zehnerli’ aus dem Jahre 1883 in der Kasse. Dünn, abgewetzt, schmutzig – aber unverkennbar ein Batzen. 1883 hundert Jahre bevor unser zweitältester Sohn geboren wurde!
Im selben Jahr schrieb Robert Louis Stevenson „die Schatzinsel“. Das Maschinengewehr und die Dampfturbine wurde erfunden. Es war das Todesjahr von Richard Wagner und Karl Marx. Robert Koch entdeckte die Cholera-Erreger. Der Ausbruch des Vulkans Krakatau gilt als die erste Naturkatastrophe, die zu einem globalen Medienereignis wurde, der darauffolgende Tsunami war bis Europa spürbar.
Durch wie viele Hände der Batzen wohl gelaufen ist? Wie oft wurde er gegen ein Zuckerstück, ein Kilo Brot oder gar für eine Karussellfahrt ausgetauscht? Die kleine, dünne Scheibe könnte wunderliche und spannende Geschichten erzählen.
Auf das erstaunlichste Überhaupt, brachte mich erst einer unserer Söhne. Spontan rief er: „Was, und der sieht noch aus wie ein 10er von heute!“
Genau, in unserer schnelllebigen Zeit – im Zeitalter der Wegwerfgesellschaft sehen die ‚Zehnerli’ immer noch so aus, wie damals als sie 1879 auf den Markt kamen. Keine von den heutigen Kursmünzen hat dieses Alter erreicht. Zwar bekam der Batzen öfters eine neue Legierung: Mal war er aus Billon mit 10% Silberanteil, dann Messing und Reinnickel – bis sie 1939 die heutige Kupfernickel-Legierung bekam – aber die Prägung blieb.
In den letzten Jahren ruhte sie wohl in einem Sammelglas. Oder in der Ritze einer Schublade…! Denn der Münzzähler auf der Bank hätte sie längst erbarmungslos ausgespuckt. Durch verschlungene Wege gelangte sie zu mir: Ich werde das ‚Zehnerli’ in Ehren halten.

Wenn die Frau zur Bäuerin wird

Eine ketzerische Frage: Wie wird die Frau eine Bäuerin? Eine Frau wird Floristin weil sie diese Lehre absolviert. Ebenso die Gärtnerin, die Kauffrau oder alle andere Berufe. Hier bei uns in der Schweiz lernt man einen Beruf und darf sich dann so nennen. Nur in den Beruf der Bäuerin startet selten eine Frau mit der dazugehörenden Berufslehre. In den meisten Fällen wird Frau zur Bäuerin mit der Heirat eines Bauern.

Zugegeben wir sind gewaltig am aufholen. Die Bäuerinnenschulen sind voll. Bäuerin werden liegt im Trend. So sehr, dass sogar 10 vor 10 es für wichtig erachtete einen Bericht darüber zu bringen. Im Interview kamen Absolventinnen zum Wort die mit dem Beruf Bäuerin nichts zu tun haben. Es sind Frauen die wieder lernen wollten wie man mit Lebensmittel umgeht. Die Grundkenntnisse einer Haushaltsführung verinnerlichen wollen. Weg vom übrigen Konsumverhalten, von der Flut der Hiobsbotschaften über die Lebensmittelindustrie. Natur zu erleben – fühlen, riechen, verstehen. Der Beruf der Bäuerin geniesst immer höhere Wertschätzung. Das wissen alle – nur wir Bäuerinnen selber nicht.

Irgendwie haben wir ein zwiespältiges Verhältnis zu unserem Beruf. Im Grunde genommen sind wir gerne Bäuerin. Wir schätzen die Vielfältigkeit, die Abwechslung und Befriedigung die der Beruf mit sich bringt. Trotzdem: Fragt man uns nach unserem Beruf sieht die Antwort meistens so aus: „Ich bin Bäuerin habe aber Krankenschwester gelernt!“ Und dies auch wenn die Frau schon seit zwanzig Jahren mit Leib und Seele Bäuerin ist, und ihren gelernten Beruf höchstens zwei, drei Jahren ausgeübt hat.

In Wikipedia (Erklärung siehe Ende des Artikels) kennt man das Wort „Bäuerin“ nicht. Sogar im Duden steht unter Bäuerin „Frau eines Landwirtes“ oder ganz krass „Vertreterin einer ärmlichen Klasse“! Wer verwundert sich da, dass nicht mal wir Bäuerinnen selber diese Berufsbezeichnung so richtig einordnen können. Da fragen wir uns zu Recht: Ist Bäuerin eigentlich überhaupt eine Berufsbezeichnung?
In der Deutschen Zeitschrift „Top Agrar“ wurde der Versuch gestartet. Dem Beruf Bäuerin einen neuen, moderneren Namen zugeben. Nach einer Umfrage hat sich die Bevölkerung entschieden:
1. Platz der Nennungen mit 28 % die Landwirtin,
2. Platz mit 21 % die Bäuerin,
3. Platz mit 18 % die Hofmanagerin ,
4. Platz mit 15 % die Landwirtschaftl. Mitunternehmerin
5. Platz mit 7 % die Agrar-Assistentin
6. Platz mit 6 % die Landwirtschaftliche Allroundkraft
Doch wir können es drehen und wenden wie wir wollen. Der Name Bäuerin wird immer in den Köpfen der Bevölkerung bleiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich zum Beispiel „Hofmanagerin“ etablieren würde.
In Zukunft wird sich dies noch mehr verändern. Viele junge Bäuerinnen bleiben bei ihrem ursprünglichen Beruf. Sie arbeiten als Lehrerin, Krankenschwestern oder als Kauffrau weiter. Die Bäuerin wie wir sie kennen, wird es immer weniger geben.

Wenn wir den Beruf als Bäuerin erhalten möchten. Ist die Ausbildung zu diesem Beruf sehr wichtig. Nur mit der Ausbildung geben wir der Bezeichnung Bäuerin eine Struktur – eine Identität.
Es ist unumstritten, dass auch eine Frau die nicht Bäuerin gelernt hat, eine sehr gute Bäuerin ist. Sie hat ihr Wissen durch Erfahrung und harter Arbeit aufgebaut. Sie ist nicht „weniger“ nur weil sie die Ausbildung nicht absolviert hat. Aber wenn wir in der Gesellschaft unseren Beruf auch als solchen festigen möchten, wenn wir Bäuerin als eine Berufsbezeichnung etablieren wollen – dann ist die Ausbildung unumgänglich.
Auch wenn wir diesen Weg für uns selber nicht beanspruchen möchten. Dann sollten wir doch dazu stehen, ihn fördern, propagieren und junge Frauen dazu aufmuntern.

Heute ist das leider noch nicht so. Wir Bäuerinnen müssen umdenken. Eine Bäuerin die ihren Fachausweis macht, darf stolz darauf sein. Sie darf es herum erzählen von ihren Erfahrungen berichten und ihr Wissen anbieten. Das ist ganz natürlich und normal. Wenn sie dann gleich als hochmütig und besserwisserisch abgekanzelt wird, nimmt man ihr den Boden unter den Füssen und verpasst ihr einen ungerechtfertigter Dämpfer.
Und wenn wir den frisch ausgebildeten Frauen gut zuhören, dann erfahren auch wir viel Neues und Interessantes. Ihr Wissenskorb übersprudelt und ihre Energie ist greifbar. Das müssen wir nutzen und uns darüber freuen. Was gibt es schöneres als eine energiegeladene, fröhliche Frau mit einem grossen Wissen über Natur, Land und Leben – so stelle ich mir den Beruf Bäuerin vor.

Und ewig fliesst der Strom...

und ewig fliesst der Strom

Diesen Herbst kam der Winter früh, schon bevor die Lärchen die Nadeln verloren. Zuerst ein Eisregen dann nasser Schnee. Faszinierende: An jeder einzelner Tannennadel hing ein gefrorener Wassertropfen. Herbstblätter waren überzogen mit Eiskristallen. Bäume zog es, von der schweren Last, dem Boden zu. Viele gaben der Last nach, brachen oder krachten entwurzelt zu Boden. Sie kappten unsere Strommasten. Enorm wie hilflos man sich plötzlich vorkommt. Unser Sohn kam nach Hause: „Kein Strom? Na Bravo! Was soll ich jetzt machen - schlafen!“ Aber mir ging es genau so. Ich streifte durchs Haus und wusste nicht was ich mit dem Tag anfangen sollte. Bügeln, die Buchhaltung, den Abwasch – alles brauchte Strom. Zum lesen wurde es dann auch bald zu Dunkel.
Wir tappten durchs Haus, zündeten überall Kerzen an. Die Dunkelheit war ungewohnt. Im Nachbarhaus fing schon bald eine Notstromgruppe an zu knattern. Meine Sorge galt den Tiefkühltruhen. Es kostete Überwindung sie nicht zu öffnen und nachzuschauen. Froh war ich über unserem Kachelofen und dem Holzkochherd. Dann, auf den letzten Geisselknall, gerade recht zur Melkzeit, flammten die Lichter wieder auf und ein Aufatmen ging durchs Dorf.
Früher gab es solche „stromlose Tage“ öfters. Doch in den letzten Jahren kam es immer seltener vor. Strom ist für uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Und genau diese Selbstverständlichkeit verführt zum immer grösseren Stromkonsum. Wenn ich durch unser Haus gehe und bewusst darauf achte was alles am Stromnetz hängt – das ist Erschreckend.
Da kommt man ins grübeln: Wir sind nicht für Atomkraftwerke, laufen Sturm gegen jedes neue Wasserkraftwerk, finden Windräder hässlich und wettern gegen die „Strombaronen“. Doch Schlussendlich sind wir es, die den Strom verbrauchen. Und im Stillen denke ich: Ab und zu ein paar Stunden Stromausfall, ist nicht das Schlechteste.

Advent, Advent mis Schätzli brennt...

„Advent, Advent ein Lichtlein brennt.“ Im Kindergarten haben wir es gesungen und bei der Grossmutter - wenn wir heimlich an den brennenden Kerzen herumfummelten. Kleine Kerben drückten wir in den Rand damit das flüssige Wachs an der Kerze herunter laufen konnte, erkaltet brachen wir den Tropfen ab und schmelzen ihn über der Flamme wieder ein.
Kam unsere Grossmutter dann unverhofft dazu, hob sie drohend die Finger schaute uns streng an und sang das Lied auf ihre Weise: „Advent, Advent mis Spätzli brennt...“
Jetzt ist sie wieder da – die Zeit in der die Tage kürzer werden, - die Zeit der Kerzen.
Auch bei mir stehen ein bis zwei Kerzen auf dem Fenstersims. Kaum ist die Nacht eingebrochen zünde ich sie an. Sie haben für mich weniger mit Advent zu tun, sondern dienen mehr meiner Seele, meinem Wohlbefinden.
Das Wort Kerze kommt aus dem lateinischen „Cereus“ (Wachslicht). Im 2 Jahrhundert nach Christus wurde die Kerze als „kurzlebiges Licht, das einen Faden besitzt und ständig gewartet werden muss“ beschrieben. Die Kerze mussten fortwährend „geschneuzt“ also geputzt werden.
Sogar Goethe stöhnte einst:
„Wüsste nicht, was sie besseres erfinden könnten, als dass Lichter ohne Putzen brennten.“
Die Engel und Heiligen erschienen auch nicht mit einer Kerzen in der Hand vor der Krippe Jesus. Die gab es damals gar noch nicht, sie mussten sich mit Öllämpchen begnügen wie Aladins Wunderlampe.
Die ersten Kerzen russten und qualmten, ausserdem stanken sie ranzig; denn sie wurden aus Rindernierfett oder Hammeltalg gezogen. Ich glaube nicht, dass ich sie mir auf den Fenstersims gestellt hätte, schon gar nicht für mein Wohlbefinden.
Ganz gewitzte Menschen gelang es im 17 Jahrhundert weisse Kerzen zu produzieren. Sie versetzten die Talgkerzen mit Arsenik und vergifteten so ihre Mitmenschen gleich reihenweise.
Erst im Mittelalter guckten wir uns die Bienen etwas genauer an und stahlen ihnen fortwährend nicht nur den Honig. Aber Bienenwachs war selten und teuer; also nur für die Kirchen- und Fürstenhäuser bestimmt.
Uns geht es heute besser. Kerzen aus Bienenwachs, Stearin, Parafin. Es gibt Wachs aus Pflanzen, Früchten und Walfischen mit Düften in allen Variationen. Ich kann meine Küche sogar mit ‚Guetzliduft’ schwängern, ohne ein einziges gebacken zu haben.
Kerzen bringen Wärme in die kalte Winterzeit, Kerzen erhöhen die Spannung beim Erzählen einer Geschichte, sie machen unsere Liebesstunden verführerisch und geben einem guten Essen die Romantik. Die Kerze ist die Liebeserklärung des Lichts an die Menschheit.
Doch bei all dem Schönen - denkt an meine Grossmutter
„Advent, Advent mis Spätzli brennt...“

Porträt: Erschienen im August im "Schweizer Bauer"

Das Schreiben wurde ihr in die Wiege gelegt

Romy Schmidt/ Die Direktvermarktung und das Schreiben liegen der vielseitigen Bäuerin am Herzen.

„Eigentlich wollte ich ja nur mein zweites Lehrjahr in Bergün absolvieren und dann weiter reisen", meint Romy Schmidt rückblickend. Doch dann traf sie auf einen Skilehrer, durch den sie schliesslich in Bergün, einem fünfhundert Seelendörchen im Albulatal blieb. Heute bewirtschaftet Romy mit ihrem Mann Marco und einem Lehrling einen Biolandwirtschaftsbetrieb mit Milchwirtschaft, Aufzucht und Direktvermarktung. Ihre fünf Kinder sind bereits im Erwachsenenalter. „Sie sind alle schon am ausfliegen“, meint Romy schmunzelnd.
Viel Betrieb ist sie von klein auf gewohnt. Romy Schmidt wuchs in Obermumpf im Fricktal mit ihren fünf Geschwistern auf. Ihre Eltern führten das Gasthaus zum Engel. Daher lag es für sie auch nahe, Servicefachfrau zu werden. „Die Arbeit im Service deckte alles ab, was ich wollte: Die Arbeit mit Menschen, die Möglichkeit andere Länder kennen zu lernen und einen Job ohne Langeweile“. Doch die Begegnung mit Marco führte sie in den Bäuerinnenalltag, in dem sie jetzt all diese Wünsche verwirklichen kann. Mit der Bäuerinnenschule in Schiers holte sie sich noch das nötige Rüstzeug für ihr Steckenpferd, die Direktvermarktung.
Spricht sie von ihrem „Hoflädeli“ kommt sie ins Schwärmen: „Ich komme mit vielen Menschen aus allen Ecken der Schweiz und dem Ausland in Kontakt“. In der Vermarktung kann sie ihre Ideen entwickeln und umsetzen. Darum geniesst sie auch die vier Jahreszeiten im Bäuerin sein. Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Aufgaben. „Im Frühling freue ich mich aufs Heuen, im Herbst und Winter aufs Käsen und auf die gemütlichen Abende in der Stube“, fügt Romy an. In der Zusammenarbeit mit Marco gefällt ihr die gute Teamarbeit, in der fast alles gemeinsam entschieden wird und jeder seine Aufgaben hat.
Die Vielseitigkeit von Romy Schmidt spiegelt sich auch in der Produktepalette des Hofes wider: Alpenbeef (zweijährige Rinder), Biowurst, Joghurt, Frischkäse, verschiedene Cremes, Tannenspitzensirup, Konfitüre und Blaudisteln. Im Juli und August werden die Blaudisteln geschnitten und an Coop für Biosommersträusse geliefert. Die restlichen Blütenköpfe werden getrocknet und zum Extrahieren ins Wallis geschickt. Aus dem Konzentrat entsteht dann Männerkosmetik.
Ihre kreative Ader entwickelt Romy aber auch im Schreiben. Mit einem dreijährigen Kurs über Schriftstellerei und Journalismus förderte sie ihr Talent zum Schreiben, das sie bereits in die Wiege gelegt bekam. So schrieb sie als zwölfjährige ein Buch, „der hellblaue Elefant“, das sie leider mit fünfzehn verbrannte. Später entdeckte sie dann das Internet als Medium, um ihre Geschichten zu veröffentlichen. Vor zwei Jahren entstand dann ihre Kolumne „und plötzlich bist du 50“, die jeden Monat in der Landfrau des Bündner Bauers erscheint und sich grosser Beliebtheit erfreut. Romy beschreibt darin sehr persönlich ihre Erfahrungen rund um 50, z. b. in der Partnerschaft. Die Kolumne soll Paaren und Familien Impulse geben, um über wichtige Themen offen zu reden. „Es wird viel zu wenig miteinander und offen geredet“, meint Romy Schmidt. Sei es unter Ehepartnern oder unter Freundinnen. So wären viele Alltagssorgen einfacher zu ertragen, wenn man darüber mit anderen sprechen würde.
Seit ein paar Jahren engagiert sie sich daher beim Bäuerinnentreff, einem internationalen Begegnungsforum im Internet. Neben dem Austausch über gemeinsame Erfahrungen empfindet sie die interessanten Begegnungen als Bereicherung.
Was wünscht sich eine Bäuerin mit Herzblut wie Romy für ihre zweite Lebenshälfte? „Soll ich jetzt sagen: Ein bisschen ruhiger, da würde ich wohl lügen.“ Anders, nicht mehr so betriebsbezogen wünscht sie sich ihre nächsten Jahre. Mit Marco möchte sie noch lange und gesund ihre Lebenszeit verbringen. „Er hat mir versprochen: Wenn wir in unser Stöckli ziehen, dann übernimmt er den Abwasch. Das möchte ich noch lange geniessen.“