biobergün.ch, Bergün/Bravuogn

Unser Nest

   

Hier wohnen wir. Niemand weiss wie alt das Haus ist. Marcos Urgrossvater hatte es damals gekauft und aufgestockt. Der alte Kastanienbaum links vom Haus stammt noch aus dieser Zeit. Übrigens der einzige Kastanienbaum in Bergün.
Ich liebe dieses Haus, man ist nie alleine. Irgendwo raschelt es immer in den Wänden. Balken knacken und stöhnen. Spinnen weben ihre kostbaren Gebilde und kämpfen mit mir um ihr Dasein. Die Küche ist gross, hell und ein Juwel. Aber das Prunkstück ist der alte Kachelofen in der Wohnstube. Nein! – der ist ja gar nicht alt. Der Ofenbauer hat ihn uns von Grund auf neu gebaut. Die alten Kacheln konnten wir wieder brauchen. Fast einen Monat lebten wir nur in der Küche, weil die Stube eine Baugrube war.
Das Haus ist riesig. Es hat mir jegliche Pingeligkeit abgewöhnt. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit dieses Haus blitzblank zu bekommen. Ist man oben mit putzen fertig, kann man unten wieder anfangen. Trotz den dicken Wänden zieht es durch die Mauern. Wenn der Wind heult pfeift der Kamin.
Trotzdem ist es wunderschön, gemütlich und halt einfach unser Zuhause. Damals als wir den neuen Stall gebaut haben, stand die Option ein neues Haus dazu zu bauen zur Diskussion. Dafür hätten wir aber dieses Haus verkaufen müssen. Ich wollte dies auf keinen Fall. Niemals würde ich wieder eine so schöne Küche bekommen. Und auf den Kachelofen wollte ich auf keinen Fall verzichten.

1993 bauten wir uns einen neuen Stall. Endlich, bauen wollten wir schon lange. Aber der Kampf mit den Behörden, Heimatschutz und Dorfbewohner war langwierig.
Um unser Haus herum war es zu eng, wir wollten Platz für unser Tiere. Die Möglichkeit, dass sie raus und rein konnten. Deshalb war unser erster Plan gleich hinter der Kirche zu bauen.

 

Wir hatten die Rechnung ohne unsere lieben Mitbürger gemacht. Sogar eine der Bäuerinnen wehrte sich vehement gegen unser Vorhaben: Direkt neben der Kirche gehe nun wirklich nicht. Das störe nicht nur den Gottesdienst sondern auch die Ansicht auf das Dorf.
So rückten wir mit unserem Plan immer weiter zurück, noch weiter, noch weiter – bis wir neben dem Bahngeleise landeten. Dafür haben wir jetzt einen netten Nachbarn. Mit Graukühen, Enten und Kaninchen.
Die Jahre die darüber vergingen war auch eine Chance. Auch heute noch ist der Stall bis ins letzte Detail durchdacht. Unser Stall war der erste Freilaufstall hier im Dorf. Wir hatten den ersten Heukran. Für diese Pionierleistung musste Marco kämpfen. Immer wieder hatte er Sitzung in Chur. Legte Fat-Berichte auf den Tisch und rechnete ihnen die Einsparungen vor. Immer wieder stiess er an absurde Behauptungen wie: Nicht ortsüblich, bringt in den Bergen nichts etc. Der Kampf hat sich gelohnt. Noch heute sind wir glücklich und zufrieden mit unserem Stall.